Dienstag, 29. Mai 2007

Vertragsverhandlungen um einen KP

Man stelle sich vor, es ist Pfingssonntag. Ich begebe mich ohne böse Absichten in den Religionskurs bei Herrn R. Cheutsch (Name dem Verfasser bekannt).
Eines Frau in Zelt öffnet mir die Türe, ich begebe mich wie immer ins Wohnzimmer und lege die 2 Gmores bereit.
Kurze Zeit später erscheint mein Magid Schiur. Kurzer Schwatz wie immer und dann noch die Erwähnung, dass sich sein 19- Jähriger Sohn verlobt hat.
"Schöne Idee" denk ich mir und wünsche herzlichst Masel Tov ("Kejn Jirbu" ist nicht mehr möglich, da dieser Bub das jüngste von nur 7 Kindern ist).
Doch dann erhalte ich völlig unverhofft und ohne zu Fragen, Einblick in die verrückte Welt der Schiduchim.
Also, eingentlich wollte Cheutsch seinen Sohn noch nicht verloben-richtig, ER verlobt IHN- doch dann passierte folgendes.
Der Sohn, welcher den gleichen Namen trägt, wie der früher religiös zionistische Jugendbund (für die Dummen, ohne "Bne") hat soeben die Jeschiwe gewechselt (Hat jemand ein Transfergerücht auf 442.ch gelesen? Ich null).
Dort wurde ein wohlhabender Mann, verwandt mit dem Rosch Jeschiwe auf diesen Knaben aufmerksam. Scheinbar soll er zu den besten Gmoreschleuderer der ganzen Jeschiwe inklusive Kaulel gehören.

Szenenwechsel 2 Monate zurück:

Es ist Erev Pessach, bis Cheutsches, wird anscheinend durchgehend der Vater gesucht, da sich bereits viele Eltern für den Jungen interessieren.
Zur Information, zwischen Rosch Chodesch Nissan und Rosch Chodesch Ijar besteht ein Transferfenster für in- und ausländische Transfers.
Ganz im Stile eines abgezockten Spielervermittlers (es sind bereits 6 Kinder glücklich verheiratet) lässt er alle Angebote an sich abprallen.
Mit "Angeboten" meine ich den wortwörtlichen Sinn, denn scheinbar nennen die Väter bereits das dazugehörende Handgeld (auch Mitgift genannt).
Dann kommt dieser oben erwähnte Bekannte des Rosch Jeschiwooooos. Er ruft kurz nach Pessach an (die Transfersummer, ist bereits gestiegen) und unterbreitet dem Cheutsch ein sehr verlockendes Angebot "ein ganz tolles Mädchen, eine Chessed Frau" (O-Ton)!!!!

Also, die Frau muss super sein, das Handgeld stimmt, jetzt dürfen sich die Kinder auch bereits kennenlernen, ein Detail am Rande.
Zu zweit und in geheimer Mission, wird nach London gerösselt. Dort scheinen sich die Verhandlungen sehr schnell weiter in Richtung Stangenschuss zu entwickeln.
Nun aber, meint der Oilem der Chassidim sicher, dass alles unter Dach und Fach ist. Longo weiss vielleicht was jetzt kommt:
Nun muss der Kabalist noch daran glauben. Ein Milchmann aus Bne Brak soll die letzte Broche richten.
Man muss die beiden Namen auf ein Zettel schreiben und er kann dann mitteilen, ob es sich um einen Lupenreinen Doppelpass handelt, oder ob die Verhandlungen hier und jetzt abgebrochen werden müssen.
Cheutsch hat, wie er mir erzählt, "die Namen bereits ausgerechnet" doch möchte er sich sicher sein und fragt den Milchmann. (Hat mir ohne viel zu verraten gezeigt, das man das Blatt mit den Namen von der Seite anschauen muss). Ist's allen klar?
Alles bestens. Nun alles bereit? null.
Nun kommt der Onkel ins Spiel. Er wird ganz einfach und ohne Berechnungen und Angaben von Transfersummen gefragt, was er davon hält.
Eigentlich findet Cheutsch, dass sein Sohn noch ein wenig zu jung ist, doch möchte er die Meinung des Onkels.

Seine vernünftige Antwort: "Sie können auch zusammen reif werden". Macht Sinn.

Nach Einbezug aller benötigten Beteiligten, entscheiden nun die beiden Väter, dass sich die Kinder verloben.
Warzenschnuffel, läuft das bei euch auch so?

Nach anfänglichem Beherrschen, konnte ich übrigens bei der Milchmann Szene mein Lächeln nicht mehr verbergen.

Sorry Chassidim, für ein Schlussfazit, bleibt mir einfach die Sprache weg.

Grasl

1 Kommentar:

Gonzalez Tripolensis hat gesagt…

Wahnsinn und unglaublich.
Bei uns lief das insofern anders, als dass für die Vertragsverhandlungen eigentlich immer die Rede von würzigen Kamelen ist.
Longo weiss übrigens auch noch ganz anderes. Beispielsweise kennt er die Mischpochologie von Lustenbergers und ihre Verknüpfung mit der Yeschiwe Ktano in Altdorf sowie dem Schicksal von Raoul Schütz.
Man nuschelt übrigens, dass Frau Meier ihrer ohrenberingten Weisssockenpfeife gestern doch noch einen indirekten Freistoss zugestanden hat, der aber leider im Offside landete. Teamspirit, so laufz!