Dienstag, 5. Oktober 2010

Impressionen aus dem Heiligen Land

Lo rozim - lo zarich (Wenn Ihr nicht wollt, dann halt eben nicht)
mit Konterfei von Theodor Herzl

Man hat die Feiertage für einmal im Lande Kanaan verbracht, diesem schmucken und seit 613 Jahren hippen Stück Land zwischen Europa und Afrika, Wahnsinn und Heiligkeit, Sodom und Gomorrah und schliesslich eingeklemmt zwischen zwei wunderbaren Burgerbrot-Hälften. Dazu aber mehr später.
Dass die gewöhnlich Sterblichen am Nabel der Welt sich nach über 60 Jahren der Unabhängigkeit immer noch mit dem Traum des Überlebens, einer politischen Einigung und dem Traum einer "relativen" Normalität auseinandersetzen (siehe Bild oben), ist wohl verständlich. Inzwischen wächst Israel und dessen Zentrum entlang dem dünnen Küstenstreifen am Mittelmeer und platzt aus allen Nähten. Neugegründete Familien und frisch verheiratete suchen verzweifelt nach dem physischen Basecamp ihrer neuen Einheit. Die Preise von Mietwohnungen haben jedoch bei der stetig steigenden Anzahl von ausländischen Zweitwohnungsinhabern und -suchenden bereits europäisches Niveau erreicht, während die Löhne immer noch ca. bei 30-50% der Einkünfte in der Schweiz liegen. Die Alternativen sind also entweder ein verrottetes Loch in einem schlechten Quartier der Stadt, entlang einer Autobahn-ähnlichen 6-spurigen Strasse oder alternativ die Flucht aufs "Land". Das wären Retortendörfer und -siedlungen, welche ziemlich schmuck aussehen, in Dörfern, von welchen man heute keine Ahnung hat, wie sie übermorgen aussehen (durative Wachstumsquoten von mehreren hundert Prozent) und der zusätzlichen Schwierigkeit, dass Bauwesen in Israel so etwas von unreguliert und anachronistisch ist, dass es am ehesten umschrieben werden kann mit "Jeder-macht-was-er-will", Hauptsache, er kriegt auf irgendeine Weise eine Bewilligung für sein Bauvorhaben. Sitzt man wieder in Tel Aviv in einem der turmhohen Hotelgebäude am Meer und schaut auf die Stadt rein, ergibt sich ein Bild des Grauens: Überall, wo aufgrund von Meerexponierung, natürlicher Erosion, Feuchtigkeit und womöglich auch suboptimaler Bausubstanz ein Gebäude abgerissen wird, wird an dessen Stelle ein Klotz mit mindestens 15 Stöcken aufgestellt. Entweder hat dieses die Ästhetik der Plattenbauten in der DDR (moderne Version, also wohl eher wie am Max Bill-Platz in Oerlikon) mit Pro forma-Balkonen und viel massivem Gebälk. Oder man entschliesst sich, etwas Postmodernes hinzustellen und verdeckt das ganze mit geraden oder abgerundeten, spiegelnden und höchst unpersönlichen Fensterfassaden: insgesamt direkte Nachfahren der Asrieli-Türme. Wohlverstanden ist nichts gegen eine Skyline einzuwenden, sofern sie geografisch eingegrenzt und städteplanerisch durchdacht ist, was im postmodernen, anachronistischen Tel Aviv sicherlich nicht der Fall ist. Kurzum: Tel Aviv sieht aus wie work in progress: Es rumort an allen Ecken, überall wird gebaut, was es auch nun hinhält. Umweltschutz ist ein Fremdwort (auch wenn man langsam lernt, wie man es wenigstens schreibt) und die Stadt an sich ist mit Hundekot übersät. Was an sich ziemlich erstaunlich ist. Man sieht kaum Hunde, ausser diesen Arsim-Bulldogg-Beissmaschinen und dennoch schafft es kein Trottoir ohne diesen Kotschmieren, die mit der feuchten Hitze auch noch verschmiert werden und stinken wie kaum ein Kläffer dies tut (ja, in Zürich kann man im Winter mit Hundekot Dart spielen, sofern man dann mal einen findet). Auf dem Land hingegen baut man schmucke Häuschen mit 1-2 Stöcken, zumeist als Eigentum ausgestattet. Sie sehen alle von aussen aus, als seien sie aus Stein gebaut,. Wenn man den Grundriss aber betrachtet, besteht oftmals die Grundstruktur aus Holz und darüber klebt dann eine Platte, welche das ganze als Steinbau aussehen lässt (nach dem Vorbild der IKEA-Holzoberflächen, die eigentlich aus überklebtem Kunststoff bestehen). Man wohnt so ein bisschen weiter weg vom Zentrum, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln so gut wie gar nicht mehr erreichbar, sitzt am Morgen regelmässig halbe Ewigkeiten im Stau, aber immerhin, man kann sich etwas erträglicheres Wohnen leisten.

Aber Tel Aviv ist auf seine Art auch ein verrückt geiles Pflaster. Das Wort Flanieren entstammt nach CC-Nachforschungen eigentlich aus dem Hebräischen. Die Wurzeln sind zwar nicht ganz klar, aber wer mal auf der Tayelet, Shuk haCarmel, Shuk Bezalel, dem Shuk haPishpushim in Yaffo, auf Sheynkin, der Ben-Yehuda oder Diesengoff (nicht abschliessende Aufzählung) unterwegs war, kann dies bezeugen. Unter anderem fällt man innerhalb von Gruppen immer wieder zurück, weil man gar nicht genug kriegt von diesen wahnwitzigen Konversationen, Diskussionen und unnachahmlichen Verkaufsgesprächen. Ein Genuss sondergleichen. Ebenfalls ein Besuch wert ist inzwischen die Hafengegend im Norden mit einer Höllenaussicht auf die nächtliche Meeresgischt.

Um den hiesigen Schabbestischen die Konversationsthematik Nr. 1 nicht zu nehmen, wollen wir an dieser Stelle auch auf die kulinarischen Entwicklungen im Land von Milch und Honig Rücksicht nehmen. Im Gegensatz zum untenstehenden Autor habe ich mich in 10 Tagen Aufenthalt mit lediglich zwei Löffeln Cottage und einem Milkshake zufriedengegeben, sonst nur Fleisch. Ging los mit dem legendären Shwarma vom "Shemesh" auf Jabotinsky in Ramat Gan, geht über das g-a-n-z-e Menü der Burgers Bar (Lammburger oder die scharfe 300g-Keule), dem Jem's in Ramat Gan (Rib-Eye Entrecote!) sowie dem obligaten Besuch am Freitag um 12:00 in Fertigwaren-Verkaufslokalen von Bnei Brak:
"Ist das dieser unförmig grosse Topf da hinten Tschulent?"
"Ja, aber der ist noch nicht bereit." Und schon hatte ich wieder dieses glückselige Lächeln im Gesicht, sodass ich mich mit einer einfachen Portion gesüsster gehackter Leber zufrieden gab. Ah ja, eine Ankündigung des Weltuntergangs und atomaren Supergaus habe ich auch noch entdeckt. Klickt auf das Bild und vergrössert es, die Lektüre jeder einzelnen Zeile lohnt sich!
Im Gegensatz zu den vermittelten Befürchtungen vor Abflug steht es um die Strände kein bisschen im Argen: Wie überall liegen auch in Tel Aviv am Strand kleinere Plastikpartikel rum, jedoch sind die Strände von immer wieder erneuert festgestellter Stärke (Helme bitte anziehen, akute Matkot-(Beach Tennis) Abschussgefahr!). Natürlich git es besseres und schlechteres, flachere und langweiligere Abschnitte, insbesondere da, wo Wellenbrecher stehen. Es finden sich aber ein paar durchaus auch als spektacoolär zu bezeichnende Strände, deren Namen aus Persönlichkeitsrechten (nämlich meine eigenen, wenn ich das nächste Mal wieder da auftauche, will ich nämlich wieder meinen Frieden) und im Rahmen des Strandschutzprogramms unerwähnt und verborgen bleiben sollen. Sucht Euch Euren Frieden selbst.

Ein anderes Highlight ist neben den immer noch sensationellen Rogalach von Marzipan (bitte zuerst 2 Tage stehen lassen, bis der Zucker am Rand ankrustet, Wahnsinn!) sodann der Besuch der Weinkeller (beispielsweise) von Tishbi und Binyamina um Zichron Yaakov herum, welche absolut nachzuahmen sind. Abgesehen von den professionell durchgeführten Tastings hervorragender Weine hat Tishbi beispielsweise eine sensationelle Käseplatte, welche dringend zu kosten ist. Weniger als Highlight geblieben ist der Easy Mc Royal am Sonntag Morgen am Flughafen verblieben. Nach 10 Tagen erlauchter Verköstigung und Leibspeisen jeglicher Färbung war die Verlockung auf einen letzten Burger auf geheiligtem Boden zu gross. Kein Geschmack, lauwarm, gummig, fürchterlich. Wenn's nicht zu schade drum gewesen wäre, wäre er wenig weiter als dokumentiert liegengeblieben, brachte es aber nicht über's Herz.
Fazit: Easyjet ist der neue Messias und sobald die Linie steht, finden verlängerte Wochenenden vermehrt in Rulien statt.

Was macht Milch koscher (und günstig)?

(Lieber Herr Koscher aus Zürich. Bitte lesen sie das und lernen Sie daraus, dass Kashrut und geschäftliche Effizienz sehr gut zusammen passen können.)

Bei einem Besuch in einem Kibbutz im Norden Israels habe ich diesen Sukkot beeindruckende Einblicke in den Melkprozess einer der grössten Lieferanten von Tnuva erhalten. Dabei ging es einerseits darum, die Milch so effizient wie möglich zu melken. Gleichzeitig sollte jede der rund 750-1‘000 Kühe individuell überwacht werden. Und obendrein soll die Milch auch noch Mehadrin sein und von hoher Qualität. Folgende Massnahmen ermöglichen all diese Ziele:

Melkstation (das Bild ist nur ein Symbolbild):
Die Melkstation präsentiert sich zunächst so, wie man es aus grösseren Melkbetreiben kennt. Eine grosse ringförmige Plattform, welche sich konstant dreht. Der Stall daneben wird mit je einem Eingangs- und Ausgangs-korridor mit der Plattform verbunden. Somit besteigt die Kuh die Plattform (selbstständig!) und fährt während einer Umdrehung mit und wird gemolken. Sobald sie wieder (fast) am Ausgangspunkt ist, steigt sie von der Plattform und geht über den Ausgangskorridor in den Stall zurück.
Einziger regelmässiger Eingriff durch den Mensch bleibt das platzieren der Melkbecher (das heisst wirklich so). Dies wird in gewissen Betrieben automatisch gemacht, was aber oft zu Problemen zu führen scheint.

Chip am Fuss jeder Kuh:
Jede Kuh trägt an einer Vorderhufe ein kleines Kästchen. Beim betreten der Plattform wird dieses von einem Sensor gelesen. Die Maschine weiss somit genau, wie viel Milch diese Kuh heute geben kann/muss. Dies aus zwei Gründen: 1) Ist diese Menge erreicht, lösen sich die Melkbecher von selbst von den Zitzen. 2) Gibt die Kuh weniger Milch als vorgesehen, wird ein Stallarbeiter vom System informiert. Die Kuh wird nach dem Melken medizinisch untersucht.

Ausserdem dient das Kästchen als Schrittzähler. Macht eine Kuh während des Tages zu wenig Schritte, wird sie medizinisch untersucht. Macht sie zu viele Schritte, ist sie möglicherweise auf der Suche nach einem Stier. Ist dies der Fall, wird sie künstlich besamt.
(Übrigens: Bei rund 800 Kühen kommen täglich etwa 6-8 Kälber auf die Welt. An Spitzentagen sogar bis zu 18!)

Milch-Sensor:
Bevor die frisch gemolkene Milk in den Sammeltank fliest, muss sie zuerst an einem Sensor (die blauen Kästchen auf dem Bild oben) vorbei fliessen. Dieser misst gewisse Nährwerte und kontrolliert die Milch auf Blutspuren. Stimmen die Werte nicht oder befindet sich Blut in der Milch, wird die Milch sofort abgesondert und gerät nicht in den Sammeltank (wo sie die restliche Milch unbrauchbar machen würde).

Kameras:
Überall dort, wo Menschen am Ablauf beteiligt sind, sind Video-Kameras platziert. Das Signal geht direkt zum zusatändigen Rabbiant, welches sicherstellt, dass am Shabbat und Jom Tov keine jüdischen Arbeiter, tätig sind. Die Arbeit wird dann meist von arabischen oder thailändischen Arbeiter übernommen.

Resultat:
Der Kibbutz produziert täglich knapp 25‘000 Liter Milch, welche von hoher Qualität ist und ausserdem Kosher LeMehadrin ist. Für Mehadrin Milch bezahlt Tnuva dem Kibbutz knapp einen Shekel mehr als für nicht Mehadrin Milch (sprich fast 25‘000 Shekel mehr am Tag!).

Solltet Ihr je die Möglichkeit haben, einen solchen Betrieb zu besichtigen, kann ich es nur wärmstens empfehlen.

Montag, 4. Oktober 2010

Die offizielle "Zürich 2"-Suchmaschine

Man will es nicht verheimlichen. Man öffnet nach den Ferien inzwischen nicht mehr die Post zuerst, sondern durchforstet gleich einmal die letzten Zürich 2-Ausgaben nach womöglich verpassten Highlights. Selbiges wurde soeben gefunden. Insbesondere bemerkenswert am Online-Auftritt dieses Quartier-Käseblattes ist die Archiv-Funktion, bei welcher als Suchbegriff auch Autoren eingegeben werden können - wurde natürlich flugs verwendet und rein zufällig stiess man auf folgende Kuriosität. Zeit ist ja heute Geld und deshalb haben wir Euch gleich die lesenswertesten Passagen markiert. Sedö lüeg:

Little Züri 2: 23 rauchende Spitalangestellte

Letzten Sonntag war ich im Triemli-Spital einen Freund besuchen. Es herrschte Traumwetter! Draussen vor dem Eingang sassen die Besucher und die Kranken mit ihrem mobilen Infusionsständer. Sie tranken Kaffee und blinzelten in die Sonne. Eine lange Tischreihe war für die Raucher reserviert.

Beni Frenkel
Es hätte auch stehen dürfen: «Reserviert für unsere rauchenden Ärzte». Da ich sonst nichts zu tun hatte, begann ich zu zählen: 23 Spitalangestellte rauchten. Krass, dachte ich mir, da sitzen sie nun, unsere Halbgötter in Weiss und rauchen wie ein Schlot. Ausserdem trinken sie Kaffee, das ist auch nicht gesund, und sitzen sehr unbequem in ihren Stühlen. In zehn Minuten gehen sie wahrscheinlich wieder auf Patientenvisite und tun besorgniserregend: «Frau Gabler, ihre Lunge, sieht gar nicht gut aus!».
Wäre ich ein Arzt, ich würde meine Vorbildfunktion besser ausüben. Als Lehrer mache ich das heute schon. Wenn ich im Migros hinter einer alten, langsamen Frau stehe, zische ich sie nicht an: «Komm, mach schon, du Alte!» Ich gehe fast grundsätzlich nie bei Rot über die Strasse und beim Briefeschreiben am Computer benutze ich immer die automatische Grammatik-Kontrolle. Am Morgen putze ich mir immer die Zähne, und vor der Stunde trinke ich nie Kaffee (wegen Mundgeruch). Auf gute Kleidung lege ich grossen Wert. Die Finger- und Fussnägel schneide ich einmal pro Woche und benutze, falls nötig, die Nagelfeile. Ich darf festhalten: Ich bin ein sehr gutes Vorbild für unsere Kinder.
Doch im Triemli läuft vieles falsch. Sogar im Fahrstuhl. Auf einem Verbotsschild steht: «Rauchen verboten», aber darunter hat es gleich einen Behälter für die Zigarettenkippen. Und auf jedem Stock gibt es einen Balkon mit einer Raucherecke.
Ich verstehe das nicht. Warum können Ärzte nicht ein bisschen auf ihre Aussenwirkung achten? Das sollten sie eigentlich schon im ersten Semester gelernt haben, spätestens bei der ersten Stelle. Aber vielleicht werde ich alt. Korrektes Auftreten, Selbstbeherrschung und Berufswürde sind heutzutage Fremdwörter geworden. Wie schade!

Beni Frenkel ist Lehrer, wohnt in wollishofen und ist zweifacher Familienvater. Er schreibt regelmässig fürs «Zürich 2».

Montag, 27. September 2010

Ein Vorbild

Sali minand

Um das erste CC-Mitglied 2.0 als obersten Post zu verdraengen, muss ja schon etwas gutes her. Wir praesentieren daher einen Torjubel der schoeneren Sorte:

Samstag, 25. September 2010

CC: 2.0

Liebe Freunde

Wir praesentieren Euch die neueste Version 2.0 unserer CC-Mitglieder:



HM

Mittwoch, 15. September 2010

Die "reaktionären" Juden von Zürich

Mit Publikation der Schweizer Nationalfonds-Studie hat Dario Venutti im Tages-Anzeiger vom Mittwoch einen Artikel (Artikel Tagi-Online) über die Schweizer Juden platziert. In diesem weist er einerseits auf die Nationalfonds-finanzierte Studie aus Basel bezüglich der Entwicklung des Schweizerischen Judentums hin ("Schweizer Judentum im Wandel" unter Projektleitung von Dr. Daniel Gerson und den Autoren Sabina Bossert, Madeleine Dreyfus, Leonardo Leupin, Valerie Rhein und Isabel Schlerkmann), deren Schlussbericht online ist (Schlussbericht online) und in den nächsten Wochen auch bei Chassidus Chübelsack noch zu diskutieren ist. Andererseits nutzt Venutti die Gelegenheit, um einen Überblick über das Zürcherische Judentum zu vermitteln (sich u.a. auf die obgenannte Studie stützend). Dabei fällt unter anderem die Aussage, dass bis zu einem Sechstel der lokalen jüdischen Bevölkerung reaktionär sei, weil sie nicht jeden modischen Müll wie das iPhone mitmache (und ja, ich bin überzeugter iPhone-Nicht-Nutzer). Die Problematik des iPhone bezieht sich natürlich nicht darauf, ob Gott das szenig genug und reaktionär findet, sondern der Grund für die Fragwürdigkeit liegt in den Möglichkeiten und der Versuchung des Internets mit all seinen - auch - zweifelhaften Inhalten. Es ist keine Frage, dass der (hier) Schreibende die Ansicht vertritt, dass der Gebrauch des Internets nicht in absoluter Weise zu kappen ist und - insbesondere um Bildungsdefizite für Kinder und Heranwachsende im Erwerbsmarkt zu verhindern - der (wenn nötig geschützte) Internetzugang wie zu allen andern Bildungsmedien zu gewährleisten ist.
So werde von diesem Teil der ansässigen Bevölkerung die gesamte moderne Welt als bedrohlich und dekadent abgelehnt. Was natürlich Schwachsinn und falsch ist. Viele sehr orthopraxe Juden sind gelernte Informatiker, arbeiten sehr wohl mit modernen Medien und bewegen sich durch den Alltag, als sei ihnen das Bluetooth-Teil im Ohr verwachsen. Und die politische Reaktion bedeutet, dass man den Fortschritt ablehnt und sich gegen den gesellschaftlichen Fortschritt und gegen die Prinzipien der Französischen Revolution (liberté, égalité, fraternité) richtet. Dies von ultraorthodoxen Menschen zu behaupten und im selben Atemzug zu dokumentieren, dass diese sich eigentlich gar nicht für eine breite Öffnung interessieren (also nicht dagegen kämpfen, sondern es ist ihnen einfach egal, weil sie unter sich zumeist die Lösung für die allermeisten gesellschaftlichen Fragen finden), ist widersprüchlich. Man mag dieses Desinteresse kritisieren und die Existenzberechtigung einer Parallelgesellschaft in Frage stellen, aber daraus gleich eine reaktionäre Gegenbewegung zu machen, ist falsch.
Auch würde wohl eine überwiegende Mehrheit der Juden der Aussage, dass die jüdische Frau dem Mann untergeordnet ist, vehement widersprechen (siehe auch die Erklärung von Venutti, dass die jüdische Religion lediglich über die Mutter übertragen werde). In gewissen Angelegenheiten würden sich die Frauen wohl mehr Gewicht beim Ausdruck ihrer Anliegen wünschen. Dennoch finden Frauen heute auch in nicht-liberalen Gemeinden Einsitz in wichtigen Gremien und Präsidien und leisten so einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Entwicklung dieser Glaubensgemeinschaften (dass dies in ultraorthodoxen Kreisen anders sein mag, ist jedoch kaum von der Hand zu weisen, aber es gibt eben nicht nur den einen Fünftel und den einen Sechstel, sondern die breite Mehrheit dazwischen ist ebenfalls zu berücksichtigen).
Dass die im 2004 kreierte Begegnungsplattform "Plattform der liberalen Juden in der Schweiz" bereits massgeblichen Anteil am Erfolg der liberalen Gemeinden trägt, kann ich nicht beurteilen, ist jedoch zumindest stark in Frage zu stellen, sofern es nicht mit Zahlen belegbar ist.
Nun, gewisse Aussagen von Venutti lassen sich hingegen kaum von der Hand zu weisen, auch wenn sie vielleicht nicht genügend präzise sind. Es finden sich im religiösen Sektor ebenfalls privatfinanzierte Schulen und es findet nicht lediglich die Vermittlung von Lehrinhalten durch Privatunterricht statt (richtig ist jedoch wohl die Aussage, dass sich mit diesen Schulabschlüssen nur erschwert ein Lebenserwerb finden lässt und somit die Gefahr der Unterstützungsbedürftigkeit durch Institutionen des Gemeinwohls besteht).
Venutti hat sich in der journalistischen Landschaft der Schweiz insbesondere dadurch einen Namen geschaffen, dass er die Organisation und Missstände in der weitgehend der Öffentlichkeit verschlossenen Hooliganszene durchleuchtet und so einer breiteren Bevölkerung zugänglich gemacht hat. An den Hohen Feiertagen begegnete ich vor der Synagoge den fragenden Blicken und Stimmen der Nachbarsbevölkerung, welche nicht verstand, weshalb an einem stinknormalen Donnerstag eine grössere Gruppe Menschen in derart festlicher Kleidung mitten im Vormittag aus einem einzelnen Lokal strömen mögen. Laubhüttenfest? Händer wieder esonen Fiirtig? Wir verstehen, dass das Unbekannte und Unverständliche zu Fragen animieren kann und diese beantwortet gehören, soweit dies auch nur möglich ist. Daraus aber gleich eine reaktionäre und rückständische Bewegung zu konzipieren, entbehrt jedoch jeglicher Grundlage und Glaubwürdigkeit.
Ein möglicherweise gesünderer Ansatz für die Koexistenz kommt von Phenomden, welcher in seiner Ode an Wiedikon zu diesem Thema lediglich die 4 Worte singt: "Villi Lüt sind jüdisch." Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Jeder zieht sein Ding durch und wo ein Austausch nicht zwingend gefragt ist, kann man ihn auch einfach sein lassen, ohne eine gesellschaftsfeindliche Tendenz daraus zu machen.

PS: Zum Bild im Artikel: Die Szene spielt offensichtlich an Purim, wie in der Legende auch dokumentiert. Vielleicht hätte man auch noch erklären können, was an Purim denn Brauch ist und dass diese Kinder verkleidet sind (unter uns gesagt ist dies aber auch nicht ganz so trivial zu erkennen, wenn die Satmarer sich als Gerer und umgekehrt verkleiden...)

Dienstag, 14. September 2010

Resurrexit Gonzalez

Nachdem sich Elektriker und Cablecom sowie sämtliche Sub-Unternehmer nun endlich dazu genehmt haben, das Kraulen der hauseigenen Billardkugeln endlich zu unterlassen und mich wieder mit der Welt des unnützen und reputationsschädigenden Wettsurfens zu verbinden, habe ich mich sozusagen zur Feier des Tages entschieden, einen Eintrag zu lancieren, ohne genau zu wissen, wohin die Reise führern wird. Die Feier des Tages wird ausserdem heute zu später Stunde mit dem Köpfen eines Murray Mc David (Macallan) vollendet, auch dies ohne genau zu wissen, wohin dies schliesslich führen soll.
Man hätte ja schliesslich nicht erwartet, dass nach lediglich zwei Wochen zügelbedingter Internet-Absenz in Telefonaten mit völlig schuldlosen Callcenter-Handlangern dem Anrufenden (logischerweise nur mit dem Ziel, schneller wieder zu einem Anschluss zu gelangen) derart der Kragen platzt und man sich in Tiraden über Recht und Verfassung schon fast aufführt wie Michael Knight auf der Suche nach Gerechtigkeit in einem Pontiac Trans Am oder Alan Shore in der legendären Freedom of Speech-Episode:

Aber dies alles gehört nun der Vergangenheit an. Vorbei die Tage des Bücherlesens (was für eine Unart). Endlich hat man auch eine Ausrede, nicht zu Sliches gehen zu müssen (konnte mich nicht ausloggen) und endlich hat man auch einen Zugang zu den chinesischen Fernsehsendern, welche von Guysolino pünktlich annunzierten, hochbrisanten Länderspiele zwischen Kasachstan und der Mongolei auf einem 3x3 cm-Stream übertragen.
Auch das vergangene Jahr ist seit fünf Tagen nunmehr beendet und ist natürlich von der CC-Akademie für Historik, Recht und Verfassung, welche bereits ihr vierjähriges Bestehen jubiliert, gebührend zu würdigen. Der FCZ hatte mehr oder weniger glorreiche Tage in der Champions League. Der FCZ hatte eher weniger glorreiche Tage in der Axpo Gurken-Liga. Die Koscherversorgung bleibt auch mit der Eröffnung des Gammelwaren-Detaillisten in der Industrie und der Neu-Eröffnung des russischen Bäckers ein ausgesprochen trauriges Kapitel des lokalen Jahoodismus (CC gratuliert an dieser Stelle den zuständigen Entscheidungsträgern für die womöglich eklatanteste Chumre der letzten Jahre mit dem Inhalt, dass eine Koscherbäckerei nur parve Gebäck zu verkaufen hat. Damit ist wohl ein weitläufiges Unikat von seltener Sinn- und Verständnislosigkeit instituiert worden). Auf der positiven Seite ist der Neu-Umbau der ICZ zu vermelden, welcher in Sachen Funktionalität (in einem ersten und noch unfertigen Eindruck) erhebliche Fortschritte gegenüber der vorherigen Situation mit sich bringt. Ein koscheres eigentliches Restaurant kann hierbei auch ausserhalb des Gemeindezentrums platziert werden, wie dies auch rund um den Globus der Fall ist.
In diesem Sinne verbleiben wir an dieser Stelle vorerst mit den besten Glückwünschen und einem Heiden-Naches für das angelaufene Jahr, viel Gesundheit, viel intellektueller Tiefgang, Mut zur Lücke und dem Ausdruck der anderen Meinung und zwar nicht nur unter vorgehaltener Khille-Hand, wenn es die Umstände erlauben bzw. erfordern.
Shana Tova!




Freitag, 3. September 2010

Der Kampf um die Playoffplätze in der JLeague

In den letzten zwei Runden der JLeague verschärft sich der Kampf um die noch verbliebenen Plätze in den Playoffs. Die aktuelle Tabelle präsentiert sich nach dieser Runde folgendermassen:



Die Selecao konnte sich nach einem miserablen Saisonstart doch noch in die vorderen Ränge hoch arbeiten und streitet sich nun mit HAS um den letzten Playoffplatz. Scherdünn hatte am letzten Mittwoch die Gelegenheit, mit einem Sieg über HAS der Selecao noch einmal eine zusätzliche Chance zu geben. Leider kam es aber anders. In einem nur in den ersten Minuten spannenden Spiel konnte der Seriensieger der Jleague 1:0 in Führung gehen und wurde danach von HAS überfahren. Am Ende hiess es 8:4. Der Spielführer von Scherdünn, Grasl, stand danach für ein kurzes Statement unserem Sportredakteur Churban Brünzel zur Verfügung.

Trotz 1:0 Führung gabs es eine ziemlich deftige Niederlage, an was lag es?

Gegen solch gut organisierte Teams bekommt man nur sehr wenige Möglichkeiten im Spiel zu bleiben oder ins Spiel zurückzukommen. Wir haben diese wenigen Chancen nicht genutzt und sie waren sehr effizient. So entstand dieses Resultat.

Denkt ihr über taktische Änderung an eurem Spielkonzept nach?

Nein, wir spielen ein Konzept dass unseren Möglichkeiten entspricht.

Wirkte sich der Zuschaueraufmarsch eher hemmend auf eure Leistung aus?

Das ist gar nicht möglich. Zuschaueraufmarsch motiviert immer! Im speziellen als wir mit 1:8 zurücklagen hatten die Zuschauer grossen Anteil, dass wir uns mit Anstand verabschieden wollten und immerhin noch auf 4:8 verkürzen konnten. Das sieht wesentlich besser aus auch wenn es keine Punkte dafür gibt. Ich hätte mir aber von den Zuschauern mehr akustische Unterstützung gewünscht! (Anm. d. Red. Die Selecao liess es sich nicht lumpen an diesem Match Scherdünn zu unterstützen)

Wie ist die Stimmung in der Mannschaft zur Zeit?

Die Stimmung war natürlich nach der Niederlage nicht gut. Solche Niederlagen nerven! Im Hinblick auf die Playoffs hätten wir uns einen Sieg gewünscht, haben wir ja das Hinspiel gegen HAS ebenfalls verloren. Die Leistung beim vorgestrigen Match bis zum Stand von 1:4 lässt uns aber trotzdem postiv in die Zukunft blicken. Ganz nüchtern betrachet hat sich ja an unserer Ausgangslage für die Playoffs auch nach dieser Niederlage nichts geändert.
Zusammenfassend: Wir sind uns der nötigen Leistungssteigerung bewusst, bringen aber die Erfahrung von zwei gewonnenen Meisterschaften mit.

Zwischen dem 2. und dem 5. Platz liegen gerade einmal 5 Punkte, ein Beweis für die Ausgeglichenheit der Liga?

Absolut. Das Niveau der Liga wird immer besser und die Spiele immer ausgeglichener. Dieser Trend wird sich auch in der nächsten Saison fortsetzen. Die "Jungen Wilden" mischen die Liga auf.

Wie überstehst Du die lange Pause bis zu den Playoffs?

Viel Jontefschletz, Musik hören und Fussball schauen. Dann kommts dick.

Es gibt Gerüchte über einen Megatransfer zur neuen Saison, ist da was dran?
Ich kann mich dazu nicht äussern, da ich nichts davon weiss. Alles andere wäre pure Spekulation.

Mittwoch, 1. September 2010

Dem VgT eins aufs Maul

Das Schächten in der Schweiz verboten ist dürfte hinzulänglich bekannt sein. Wieso das es verboten ist dürfte wohl eher weniger bekannt sein, zum Schutz und Wohl des Tieres ist es nicht, was ich gleich darlegen werde.

Schächten ist seit 1896 in der Schweiz verboten, ein Verbot das nur aufgrund antisemitscher Ressentiments zustande kam und seit der letzten Revison des Tierschutzgesetzes zwar nicht mehr in der Verfassung steht sondern nur noch im entsprechenden Gesetzesartikel. Der SIG wurde auch zu dem Zweck gegründet das Schächtverbot in der Schweiz abzuschaffen. Mit mässigem Erfolg. Bei der Revision des Tierschutzgesetzes wurde lange darüber diskutiert, ob und wie das Schächtverbot, das sowohl für Koscheres als auch für Halalfleisch gilt, eventuell gelockert werden könnte. Am Ende blieb alles beim alten, auch dank gütiger Mithilfe der Tierlobby um den VgT. Die Argumente waren und sind bis heute immer dieselben: Schächten erzeugt übermässigen Stress bei den Tieren, Schächten ohne vorherige Betäubung ist grausam für die Tiere, es ist brutal etc.. Aber ist dem wirklich so? In Kürze kommt in den USA ein Film über die Tierverhaltensforscherin Temple Grandin, mehr Infos zu ihr auf Wikipedia, in die Kinos, der das Leben und Wirken von ihr eindrücklich darstellt. Als Autistin geboren setzt sie sich für eine markante Verbesserung der Zustände beim Schlachten der Tiere ein, damit die Tiere weniger Stress ausgesetzt sind und am Ende glücklich Sterben können (falls das überhaupt geht...).

Nach eingehendem Studium der Gemara zum Schächten hat sie zusammen mit den Rabbinischen Verbänden in den USA dafür gesorgt, das das Schächten noch schmerzfreier und effektiver über die Bühne gehen kann. Sie hat 2004 folgendes zum Schächten gesagt (den ganzen Artikel gibt es hier):

NOW THAT I was able to hold the animal gently, it was possible to observe its reaction to shechitah. When shechitah was performed on each steer, I was amazed that the animal did not move. To find out if shechitah was really painless, I started holding the head of each animal with less and less pressure to see if it would move during shechitah. Even big bulls stayed still when the headholder was so loose they could have easily pulled their heads out. I also observed that some shochets were better than others in their ability to cause rapid unconsciousness. All of the cuts were correct from a religious standpoint, but some shochets were more biologically effective. A swift cut was more effective than a slower one. In the hands of the best shochets, the animal does not make a sound or flinch, and drops unconscious in eight to 10 seconds.
Und weiter :


I know that shechitah, done right, is the most humane slaughtering method.
Mehr gibt es dazu wohl nicht mehr zu sagen.

Freitag, 27. August 2010

Uassa und wieder ine

am sunntig chömed mir go zügle
und tüend au gard de stef guet bügle.

lupfe und schiebe wie wildi tier
defür git's dänn es iis-küelts piär.

und au d’maria j. isch mit debi
si schlat mit eus paar nägel iih.

ich wünsch uns allne toi toi toi
und es fröhlichs, trochens „schm*ss ahoi“

Donnerstag, 26. August 2010

Besser spät als nie

Wer ab dem Titel dieses Posts wild das Phrasenschwein fordert, hat absoult recht. Und damit sind wir schon beim Thema. Denn das Phrasenschwein ist wohl der/die/das einzige leidtragende des Rauswurfs von Hobby-Studiogast und Gspürschmi-MBT-Fetischist André "Andy" Egli.


Nach wirklich langen 3 Jahren hat das SF den Schlusstrich gezogen und Egli den Stifel (bzw. den MBT) gegeben. Dieser Schritt kommt doch reichlich spät. Denn Eglis Auftritte waren stets im besten Fall ein sofortiges Umschalten wert. Warum wir froh sind, dass Herr Egli seinen Posten aufgeben muss, soll aus folgender Liste hervorgehen. Wie immer ist diese Liste beliebig ergänzbar (z.B. in den Kommentaren).

Einfluss auf Gress:
Wie kompetent Gress sein kann, haben wir an der WM ja gesehen. Leider musste er im CL Studio immer von Egli aufgezogen werden. Somit verkamen die Gespräche immer zu folgendem: Egli war der kleine Gof mit Lolipop und Latzhose, der seinen Urgrosspapi fragt "Du säg mol. Wie isch das damals no vor em Krieg gsi, wo Du in Frankrich gsi bisch?".
Gress (als begnadeter Fusballer) kann natürlich nicht davon lassen, die Setilvorlage sofort zu verwandeln. Das tönt dann etwa so: "Jaaa damals in Fronkreisch 'aben wir mit Konserve-dose in die Strasse gespihlt".

Leider braucht es Sportstudio Gäste mit Kompetenz und etwas Humor. Keine Clowns mit Wikipedia-Fussball-Wissen.

Styling:

Ob Egli seine MBT Schuhe aus Style oder aus gesundheitlichen Gründen trägt, ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall sieht er darin schrecklich aus. Und auch der Rest seines Outfits hat regelmässig für Verwunderung und Kopfschütteln gesorgt.

Fussballwissen:
Was Egli im Studio erzählte, setzte sich oft aus dem zusammen, was in der Woche vor dem Spiel in den Medien rauf und runter gekaut wurde.

Grammatik:
Herr Egli scheint ein Mann von Welt zu sein. So merkt man, wie die englische (oder evtl. ist es auch die Schriftdeutsche) Sprache einen starken Einfluss auf sein Deutsch hat (in Fachkreisen unter "Kubiyot-Effekt" bekannt).
Bei Herrn Egli sieht das dann so aus: Müsste der Satz lauten "De Guardiola spielt hüt mit em Messi und em Ibrahimovic" tönt die Egli-Version so: "Guardiola spielt hüt mit Messi und Ibrahimovic".

Betonung:
Dieses Problem ist schriftlich nur sehr schwer zu umschreiben. Ich probier's mal. Tönt folgender Satz für Sie normal oder überbetont? 8-ung: Alles fett geschriebene muss scharf und abgehackt betont werden (wie zum Beispiel das otz in "Rotzlöffel"). Oder einfach sonst krass betont.

Und hier der Satz: "HHHHcs. Muurrrinjo het natürlich kchä eifachi Lag. Etto'o und Sneider sind sehr in Forrrm?! Aber es Rückspiel im Halbfinal vo de Chämjenliig isch natürlich e gewaltige Bühni. Gäll Schilber? HHHHcs..."
(Das verkehrte SCHHH am Anfang und Ende muss gelesen werden, wie das lange und starke Inhalieren einer Zigarette mit zusammengedrückten Zähnen aber breit offenem Mund. So wie es in der marokkanischen Region Fez praktiziert wird.)

Allgemien tönt es bei Egli immer, wie wenn er gerade alle Erkenntnisse erfunden hat und sie nun einem Pack von streunenden Hunden zu erklären versucht.

Fazit:

Es freut mich für alle Beteiligten, dass Herr Egli sich nun auf seine Aufgaben im Consulting-Bereich konzentrieren kann. Man ist ja schliesslich auch schescheftlich tätig. In diesem Fall heisst das dann "Andy Egli- Turnaround Management - Sport & Business".

Bleibt die Frage ob sich das Wort "Turnaround" auf seine Pirouette beim Kopfball-Eigentor 1994 im Vorbereitungsspiel auf die WM gegen USA bezieht?

Alles Gute Herr Egli.





Freitag, 20. August 2010

G"tt sei dank

Hapoel Tel Aviv führt in der letzten CL-Qualifikation in Salzburg mit 2:1 als Itay Schechter (oder Shecheter laut Trikot) alleine auf den österreichischen Torhüter zurennt und souverän trifft. Sofort greift sich der Torschuetze in die rechte Socke, setzt eine Kippa auf (aus dem eigenen Fan Shop versteht sich), lässt sich auf die Knie fallen und dankt dem Allmächtigen (gepriesen sei er).
Da laut UEFA-Reglement nur christliche Rituale (sich bekreuzen) beim Torjubel erlaubt sind, zeigte ihm der Unparteiische die gelbe Karte. Ob es fuer Tfilinlegen rot gibt, wird derzeit untersucht.

Mittwoch, 11. August 2010

Mittwochssport

Geschätzte Leser,

Mit der, leider zu erwartenden, 0-1 Niederlage im ersten Spiel der Ära Prandelli bei den Italienern ist der Startschuss für die erste Nach-WM Testspielrunde erfolgt. Es wird uns wieder einmal ein bunter Strauss an Spielen geboten, es folgt eine wie immer sehr subjektive Auswahl.

Beginnen würde ich heute Mittag um 13:00 mit Thailand - Singapur, ein spannendes Bruderduell zwischen Zwei asiatischen Tigerstaaten. Gleich danach ein Kracher aus den Öllieferländern, um 16:00 Kazachstan - Oman, Borat wird hier live kommentieren!
Mit Hinblick au die kommenden EM Quali noch ein Blick auf unsere Gegner. Um 17:00 Bulgarien - Russland, 20:30 Montenegro - Nord Irland, 20:45 Wales - Luxemburg und um 21:00 England - Ungarn. Die Auswahl der Gegner erfolgte nach mir unbekannten Kriterien. Weitere Kracher sind auf jeden Fall Zypern - Andorra, Azerbaidschan - Kuwait und Algerien - Gabun.

Für weitere Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung

Mittwoch, 4. August 2010

Ethnologie-Nachhilfe für SF DRS

Thierry Doubai in Aktion

Nein, es liegt uns fern, dem Schweizerischen Monopolfernsehen Rassismus vorzuwerfen. Das würde zu weit gehen. Deutlich zu weit. Auch unterschwellig wäre ein solcher Rassismus nicht festzustellen. Aber worum geht es eigentlich? Zur Illustration deshalb drei Szenen, allesamt aus dem Reich des runden Balles und des neunzig Minuten langen Spiels.

Erste Szene: Sie spielt sich vor ca. 1-2 Jahren ab. Es spielt gerade die Schweizer Nationalelf, hierzulande durch ehrlichen Werksfussball bekannt und durch die Tatsache, dass sie durchwegs die Zwillingsbruder der im Ausland erfolgreichen Söldner beschäftigt. So auch der Fall bei Blaise N'Kufo. Der gute Herr schiesst in Holland Tor um Tor, reiht sich bei Twente Enschede in die Annalen der Ehrenbürger und der Topf-Torschützen ein. Sobald er aber für das Schweizer Kreuz auftritt, bringt er kaum ein Bein vors andere und der Ball muss ihm schon fast an die Lampe gehämmert werden, damit er sie reinbringt. Jedenfalls kommentiert unser lieber Panzerknacker-Sascha Rüefer das Spiel gegen Griechenland (man dankt dem Gurens für die Eingebung). Mitten in der Szene des Führungstors der Schweiz durch N'Kufo kriegt sich Rüefer fast nicht mehr ein und brüllt in seiner inzwischen unfehlbaren Panik "FÄÄÄÄÄRNAAAAANDÄÄÄÄÄS!!!". Gut, wird der geneigte Leser sagen, kann ja mal passieren.

Deshalb gleich die zweite Episode:
Diesmal ist es der der Kommentator, welcher sich der Kenntnis des Redaktors entzieht. Aufgrund der unterschwelligen Fahne und der etwas lottrigen Stimme dürfte es wohl Beni National gewesen sein. Kulisse bildet diesmal die Finalissima 2010 und nämlich genau die Szene, welche zum zweiten Tor für die Basler (bekanntlich gegen YB) führt. Ein langer Ball aus der Basler Verteidigung findet im Sturm einen Abnehmer und da entfährt es Thurnheer urplötzlich, mitten im Übereifer des Ad hoc-Kommentierens (passiert beim SF im Allgemeinen nie, es wird immer nur nacherzählt, hierfür fehlt schlicht die Qualität): "Gegenstoss über Henri Bienvenue!" Natürlich war der Angriff über Zoua-Jacqui und nicht durch einen YB-Spieler. Aber das geht Beni im Trubel der Aufregung völlig ab. Zurück bleibt einfach dieser unglaubliche Fehler. Wir haben aber einen Spielkalender-Manipulator, welcher uns vorschreibt, wer die beiden grössten Meisterkandidaten sind, welche im letzten Spiel für die Kulisse gegeneinander zu spielen haben, damit das Fernsehen den grösstmöglichen Nutzen davon trägt. Und dann stellt man so einen Unfähigen hin. Aber damit nicht genug.

Die dritte Szene: Heute Abend spielt YB unter den Augen und Kommentaren von Beni National auswärts gegen die Ferienstellvertretung von Fenerbahce (anders kann man sich solch eine Leistung von einer 100 Mio-Truppe nicht erklären). Das Spiel nimmt seinen Lauf, YB geht in Führung und spielt sich mehr oder (wohl eher) weniger durch die zweite Halbzeit. Doubaï, der wohl meistüberschätzteste Spieler der Axpo Gurkenliga, wird ausgewechselt und mit Hochstrasser ersetzt. Kurz darauf, bei einem der 613 Kontern von YB, geht Bienvenue den Flügel runter und kommt zu einer Chance. Thurnheer dazu: "Achtung, jetzt Doubaï am Ball, was macht er mit dem Ball?" (und damit wird noch ausgeblendet, dass heute Beni ausserdem 15 Minuten vor Ende anfing zu kichern, dann erklärte, dass er lachen musste, weil daran denken musste, dass jetzt eigentlich YB-Viertelstunde sei; dass er zudem teils minutenlang schwieg; dass er sodann vom Tempo des Spiels derart überfordert war, dass ihm nur noch animalische Oooohs und Aaaahs entfuhren)

Die Frage ist aber dann, was wir mit dieser Problematik machen und wie man sie beispielsweise berücksichtigen muss. Ist es vielleicht doch unterschwelliger Rassismus? Ist es lediglich die Faulheit eines Berufsschwätzers und Konzessionsträger unseres Rechtsstaates, sich die Mühe zu nehmen, bei dunkelhäutigen Akteuren nicht einfach auf die Hautfarbe abzustellen (womöglich auch noch mit einer mentalen das-isch-doch-eh-alles-s'Gliich-Verschlimmbesserung)? Ist es vielleicht das letzte Argument verbunden mit der schieren und verzweifelnden Unfähigkeit, während den ganzen 90 Minuten den Kopf bei der Sache zu behalten, keine Leibchen zu verwechseln und etwas ganz Kleines zu berichten, das man nicht selbst schon weiss? Das Problem ist doch, dass es einmal passieren kann. Dann ist es peinlich, dann kann man sich innerlich einen Schamecken anröten und fertig - es ist kein Thema daraus zu machen. Dass es aber in so kurzen Zwischenräumen immer wieder dazu kommen kann, ist peinlich, beschämend und primitiv.

Freitag, 30. Juli 2010

Jonathan Settel

Weil's kaum zu verantworten ist, die werte Leserschaft auf der topseriösen Note von Indy-Minjanim in ein nachdenkliches Wochenende zu treten, schnörkeln wir wie so oft mit einem Beitrag aus der Sparte Musikantenstadl aus. Auf den dieswöchigen Beitrag habe ich jedoch viel gewartet. Da ist nicht nur der kulturelle Beitrag von Musik und Text von einmaligem Wert, sondern der Interpret Jonathan Settel, mein lieber Herr, der Interpret ist von unheimlicher Klasse. Da scheint die Wachsdose zu jeglicher Zeit in einer dieser übergrossen Seitentaschen der Wempe zur Stelle zu sein, um den Schnauz in Richtung Misrach zu zwirbeln. Dazu kommt dieses hochgeknöpfte Hemd (hab das Prinzip noch nie verstanden) eines lateinamerikanischen Impresarios Der Typ ist eine Wucht und zwar nicht nur optisch. Untermalt wird der Clip offensichtlich durch Ausschnitte aus einem Jesus-Film, womit wir auch bei der Gesinnung und den Wurzeln von Jonathan Settel (Kwöll):
Jonathan Settel ist in Berlin geboren und in einem traditionell jüdischen Elternhaus in Washington DC/USA aufgewachsen. Nach einigen Jahren in Jerusalem lebt er heute in Florida/USA. Nach vierjährigem Musikstudium war er mehr als zwanzig Jahre als Musiker in den Staaten tätig. Er hat eine wundervolle warme Baritonstimme. In seinen Konzerten, die ihn nunmehr rund um die Welt führen, weist er auf die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens hin. Der Musiker versteht es in besonderer Weise, seinen Glauben an den GOTT Israels und Jeschua als Messias zum Ausdruck zu bringen und setzt sich für die Verständigung und Aussöhnung zwischen Juden und Christen ein. Seine Musik verbindet israelische, folkloristische Elemente mit modernen Poparrangements. In seinen traditionell israelischen und neuen Liedern, sowie alten hebräischen Gebeten strahlt die Freude Israels an seinem - unserem - GOTT auf.
Wie auf seiner Homepage offenbar wird, betet der Herr auch noch in einem Lokal, das "Adat Yeshua" heisst und trat früher als Sänger in Nachtclubs, Bars, Hotels und Kreuzschiffen in den Vereinigten Staaten auf. Sedö lüeg, unbedingt!


Und gleich noch einer:

Wollishofen und Brunau: Indy Minjanim als Exportprodukte


In den letzten Jahren wurde verschiedentlich propagiert, dass das Gemeindemodell des 20. Jahrhundert entweder ein Auslaufmodell sei oder durch verschiedene Neuerungen aufzuwerten sei. Seit den Achtzigern hat hierzu durch das Minjan Wollishofen, neuerdings durch das Minjan Brunau (je nach Sponsor auch Sridej Esh genannt) hierzu Vorarbeit geleistet und aufgezeigt, dass eine Gebetstätte nicht zwingend mit einer Gemeinde zu verbinden ist (wenn auch die Gemeinden in verschiedenen Kooperations- und Unterstützungsformen eingebunden werden). Zu erwähnen ist wohl auch dass sich die Zürcher Chassidus (allesamt Kopien und erbitterte Konkurrenten von Chassidus Chübelsack) sich seit Jahrzehnten schon unabhängig in verschiedenen Lokalitäten der Stadt Zürich einmietet. Derweil scheint das Rezept auch in den Vereinigten Staaten vermehrt Anklang zu finden, wie der folgende Artikel von Associated Press aufzeigt:
Rise of independent groups influencing Judaism

CAMBRIDGE, Mass. — They gather blocks from Harvard Square to greet the Sabbath with communal prayer, their eyes winced closed, hands clapping as they sing in fervent Hebrew. The group worships in the Jewish Orthodox tradition, but it's not traditional.

A woman leads the prayers, generally forbidden among mainstream Orthodox. The genders are separated by a white curtain, called a "mechitzah," but it's translucent so the sexes can see each other as they sway and sing. No rabbi leads or synagogue sanctions this service at the Minyan Tehillah, which is run by a software engineer and nurse practitioner.

The group is an "independent minyan," and dozens of these unaffiliated Jewish worship communities have sprung up in the past decade, mixing elements of the mainstream denominations while answering to none of them. Its prayers in Hebrew, with participation of everyone present, is a hallmark of the movement, and a reaction to mainstream alternatives where such prayer is not available, or limited to a designated soloist.

Anna Schachter of Cambridge said the minyan's dual commitment to traditional worship and egalitarianism was energizing.

"Everyone in this room, I feel I'm sort of bonded to them with this mission, this struggle, of 'How do you live a traditional life and a modern life at the same time?'" said Schachter, 29, a public health researcher. "If there was a synagogue that had this kind of style, I would go to it."

Ten years ago, the United States had two independent minyanim, plural of minyan. Today, there at least 70 involving about 20,000 people, said Rabbi Elie Kaunfer, who wrote a book on the independent minyanim, "Empowered Judaism."

"There is a mass of young people, taking hold of their Jewish identity, and willing to put in the volunteer time and effort to build a community that expresses their values," Kaunfer said. "That's extremely hopeful and significant."

The number involved is a small percentage of the estimated 5.2 million Jews in the U.S. But Jonathan Sarna, a professor of American Jewish history at Brandeis University, said the movement is driven by the most devout and educated Jews, and its ideas on worship, prayer and what defines a community will inevitably cross into mainstream practice.

"What happens in American Judaism over and over is that the margins influence the mainstream," Sarna said. "I don't expect many of the independent minyanim themselves will be long lasting. But I think we will look back and say that they had long-lasting influence."

In Jewish law, a minyan is a quorum of at least 10 people (10 men in the Orthodox tradition) that is required to read the Torah or say certain prayers. But a minyan is commonly defined as any community that comes together to pray.

The independent minyanim have formed primarily in urban areas, including New York, as far south as Atlanta, and west to San Francisco and Los Angeles. Sarna said with the middle of the country largely untapped, the movement will grow.

Meg Lederman, a member of a minyan in Brookline, said a major draw of the worship is as a link to her Jewish past.

"It's nice to be in a room where you're filling up the whole room with meaningful words," she said. "It's both the connection to the people in the room and really a connection to Jews across time and space."

The growth of independent minyanim is similar to the grassroots "havurah" movement in the 1960s and 1970s, which organized outside the synagogue with heavy emphasisis on lively prayer and including women. But Kaunfer said a key difference is that the havurah movement wanted to replace Jewish institutions, while independent minyanim aim merely at gaps that have appeared in Jewish life.

Many members are in their 20s and 30s, either single or with very young children, and part of a demographic that has developed as people postpone marriage and children, Kaunfer said. Jews in this group tend to be urban, mobile and unsatisfied by typical synagogue offerings, which are generally aimed at older adults or parents with school-aged kids, he said.

Group members are often highly educated in Jewish tradition — 40 percent are graduates of Jewish day schools. They seek the deep spiritual connection found in traditional prayer that the Orthodox practice, Kaunfer said, but they also want women to be more involved in worship, as in the Conservative and Reform denominations. So they've decided to lead their own services.

Some independent minyanim meet in synagogues, and members are active in them. But the decentralized movement has grown largely without the denominations, whose leaders say they welcome such committed groups of young people, an elusive demographic.

"These are exactly the kind of people we want and need in the community because they're going to be the leaders of the future," said Rabbi Eric Yoffie, president of the Union for Reform Judaism. "The fact that they don't always find a place in the synagogue is something that obviously is troubling to me."

Orthodox Rabbi Shmuel Goldin, first vice president of the Rabbinical Council of America, said he was "thrilled with the energy and the interest." But he added the groups' search for relevance in ancient tradition has led to violations of it, such as with women's role in prayer. Rabbis, he said, have always been crucial in maintaining tradition.

"We are troubled with the change in tradition," Goldin said. "We believe there are ways to find relevance and meaning without these radical changes."

Their self-governing nature means independent minyanim differ in style and emphasis. For instance, Lisa Colton, co-founder of a minyan in Charlottesville, Va., said her minyan's service, held in a friend's living room, stresses interaction between parents and young children that she wasn't finding at the local synagogue she attends.

Colton, 35, said the group isn't interested in changing tradition, just in sharing a kind of worship they realized they could create themselves.

"We don't feel like we're captive to the choices that are handed to us," she said. "That's very different than previous generations."

(This version CORRECTS Corrects spelling of 'Colton' in paragraphs 21-22.)


Zu denken, dass die Minjan-Variante eines Gottesdienstes gegenüber gestandenen Gemeinde-gebundenen Gotteshäusern nur Vorteile mit sich bringt, ist weit gefehlt. Auch in den eingangs genannten Minjanim streitet man sich um vermeintliche Lappalien und Formalitäten. Wer darf welchen Kaddisch laut sagen? Wer hat wann wie oft in den vergangenen 613 Monaten bereits einen Aufruf kassiert? Wie gross müssen beim Kiddush die Hering-Stücke sein? Wer darf zur Hagbe antreten, obschon er von der Wertungskommission wegen Dopings und fehlerhaften Haltung im ersten Durchgang disqualifiziert worden war? Darf der Whiskyclub auch in den neun Tagen stattfinden? Wie lange darf ein Dwar Torah sein? Wer darf dabei überziehen?
Nicht wenige Probleme dürften alsdann ihren Ursprung in der Einflussnahme durch Sponsoren und Verantwortungsträgern finden. Oder eine demografische Problematik fliesst ein:So würde das Minjan Wollishofen schon seit Jahren ein grösseres Lokal ertragen, jedoch dürfte es ein offenes Geheimnis sein, dass ein grösserer Betrieb erstens grössere Risiken künftiger Entwicklung mit sich bringen und zweitens grundsätzlich die Frage lauten dürfte, ob man mit einem grösseren Betrieb nicht einen (weiteren) strukturellen Vorteil gegenüber Gemeinde-Synagogen aufgeben würde, nämlich schlanke Strukturen, Froneinsatz und direktere Entscheidungswege.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Tikkun in Tiefencastel?

(Leider hatte es im Text eine verschobene Passage. Jetztz sollte aber alles stimmen. Sie, soarry.)
Der Artikel sollte inzwischen bekannt sein. Was allerdings passiert, wenn man ihn rumschickt, ist fast noch witziger als der Artikel selbst. Es folgen zuerst nochmals der Artikel und dann ein best of der Kommentare:

Braucht Tiefencastel einen Tikkun?

Mitte der fünfziger Jahre weilte der Brisker Raw SZ'L während den Sommerferien in Schuls und der Wischnitzer Rebbe SZ'L in St. Moritz. Es versteht sich, dass zahlreiche Menschen sich deswegen ins Engadin begaben. Prinzipiell hatte der Luzerner Rosch-Jeschiwe, Raw Moische Solowiejczyk SZ'L, nichts dagegen, dass auch Bachurim der Jeschiwe Luzern auf Schabbes dorthin fuhren. Vier Bachurim mieteten einen Wagen und wollten hinauffahren. Aus mir nicht bekannten Gründen empfahl es ihnen Raw Moische nicht. Sie fuhren trotzdem los und blieben über Schabbes in Tiefencastel stecken.
Im August 1959 kam der Satmarer Rebbe SZ'L nach Schuls. Wiederum fuhren viele Menschen dorthin. Ich lernte damals in der Jeschiwe Luzern und war bereits im Besitz eines Motorrad-Führerscheins. Ein anderer Bachur, S.B., wollte unbedingt Motorrad fahren lernen. Er schlug mir folgenden Handel vor: er würde die Miete eines Lambretta-Rollers übernehmen, und wir könnten zusammen über Schabbes nach Schuls fahren. Dabei müsste ich lediglich auch ihn fahren lassen. Mich reizte die Aussicht auf ein solches Abenteuer, und ich willigte ein. Am Freitag-Vormittag fuhren wir schwer beladen ab. Nach einigen Stunden erreichten wir Klosters. Dort gab es viel Betrieb und eine Strassensperre. Ein Polizist erklärte uns, dass das Training für das Autorennen Klosters Davos im Gang sei. Er riet uns, über Chur, Lenzerheide und Albulapass auszuweichen. Mittlerweile war es Nachmittag geworden. Wir fuhren also Richtung Chur und hinauf nach Lenzerheide. Ganz oben angekommen drehte zwar der Motor munter, doch hörte er plötzlich auf uns anzutreiben. Wir rollten hinab bis Tiefencastel. In einer Tankstelle mit Werkstatt erklärte uns der Mechaniker, unser Getriebe sei im Eimer. Da er glücklicherweise Motorradspezialist sei, könne er die Reparatur rasch durchführen, er müsse aber zuerst einige Teile beschaffen. An eine Ankunft in Schuls vor Schabbes war jedoch nicht mehr zu denken. Wir kauften Kerzen, Semmeln (was damals, vor mehr als 50 Jahren, noch erlaubt war), Sardinen (in reinem Olivenöl), Obst, Gemüse, Getränke und Plastik Geschirr und Besteck, nahmen ein Hotelzimmer und verbrachten einen denkwürdigen Schabbes. Nach Schabbes-Ausgang bekamen wir unser repariertes Gefährt zurück, beluden es und fuhren über den Albula Pass Richtung Schuls, wo wir nach Mitternacht eintrafen. Es war gerade vor Hawdolo und geraume Zeit vor der Melawe de-Malko Se-udo. Am nächsten Tag, als wir uns zur Rückfahrt bereitmachten, fiel unser Getriebe endgültig aus. Wir und die Lambretta mussten die Bahn benützten um wieder nach Luzern zu gelangen. Als unser Rosch-Jeschiwe, Raw Moische Solowiejczyk SZ'L unsere Geschichte hörte, meinte er: "Vermutlich braucht Tiefencastel einen Tikkun".

Erew Schewi'i schel Pessach 1965 fuhr ein mit uns befreundetes Ehepaar mit dem Zug Richtung St. Moritz. In Filisur gab es eine Fahrleitungs-Störung. Die Leute bestiegen ein Taxi. Während der Fahrt erklärte ihnen der Fahrer, es sei hoffnungslos, noch vor Nacht St. Moritz erreichen zu wollen. Sie beschlossen, in Tiefencastel auszusteigen und nahmen ein Hotelzimmer. Der Hotelier P. Bermann schickte ihnen daraufhin per Taxi alle Jom-Tow Mahlzeiten. Vorige Woche fuhr ein anderes mit uns befreundetes Ehepaar Erew Schabbes mit dem eigenen Wagen Richtung St. Moritz. Vor Tiefencastel streikte die Servolenkung, Hydraulik-Öl floss aus und ein Keilriemen zerriss. Während sie ratlos da standen fuhr ein anderes uns bekanntes Ehepaar mit einem grossen Kombi vorbei. Sie hielten an, halfen beim Aus- und Einladen und warteten bis der TCS den defekten Wagen abschleppte. Es war äusserst eng im Wagen, aber. sie kamen rechtzeitig vor Schabbes in St. Moritz an. Es gibt zahlreiche Hinweise für eine jüdische Präsenz in Graubünden seit etwa zwei Tausend Jahren. In Disentis beispielsweise tragen auffallend viele Leute den Familiennamen Levy und geben an, von Juden
abzustammen. Wer kann mir berichten, was sich sonst einmal merkwürdiges in Tiefencastel ereignet hat?



Und hier die besten Kommentare:

1. lässt er den goj, den töff am schabes reparieren.

2. hawdolo um mitternacht? wo liegt scuol?


************************************************************************
gueti besserig

sind semmeli hüt nümm erlaubt?
ich bin froh, dass d'sardine nur in oliveöl gsi sind.

************************************************************************

Danke fuer den hochinteressanten Artikel! Ich war sehr beeindruckt ueber die Kenntnisse des Autors ueber Auto- und Motorradmotoren, sowie ueber sein detailliert geschildertes spannendes Abenteuer mit der Lambretta. Ich bin auch sehr froh, dass Semmeln vor ueber 50 Jahren noch erlaubt waren, und dass seine Schabossardinen in reinem Olivenel eingelegt waren...


************************************************************************


1. Vor 50 jahren konnte man einfach so semmeln kaufen!!!??? Das dies durch die zensur gelangt ist?
2. Ich bin wohl über 50 mal in meinem leben durch tiefenkastel gefahren und es hat mich immer im kleinen linken zeh gezwickt. Efscher sollte ich dies dem autor schreiben...

************************************************************************

- nebbisch
- 3-4 fälle in 60 jahren (also ca. alle 20-15 jahre 1 fall) ist doch nicht viel. sogar eher wenig,
wenn man bedenkt, dass jeder der ins engadin fährt dort vorbei kommt und es nun mal eine
der grösseren städte in der gegend ist
- der autor scheint automechaniker zu sein bei der detaillierten beschreibnug der pannen
- mein absoluter lieblingssatz: „Wir kauften Kerzen, Semmeln (was damals, vor über 50 Jahren, noch erlaubt war), Sardinen (in reinem Olivenöl), …… und verbrachten einen denkwürdigen Schabbes“
1. Er muss sich doch tatsächlich wegen der Kashrut rechtfertigen. Nebbisch.
2. Weiss er eigentlich was denkwürdig überhaupt heisst? Passt überhaupt nicht in den Satz.
- in allen fällen sind die leute wegen technischen pannen stecken geblieben. vielleicht liegt es eher daran, dass sich jiden und technik so gut vertragen wie tschulent und zu-zweit-im-lift-stehen

************************************************************************
Musste mir bereits Tränen aus den Augen wischen, als dich den Text unter dem Bild gelesen hatte. Hat in der Zwischenzeit jemand rausgefunden, warum der Obernauer Rebbe damals gegen die Töffreise nach St. Moritz war???

Mein Favorit aus Disentis ist übrigens: Christian Levy. Beruf: Senn

************************************************************************

ZU GEIL!!! diese wortwahl.... you can't make that shit up! "das war damals noch erlaubt" -- hilarious! :-)

Neulich in Neupersien

Der Iran ist im Moment ja in aller Munde, einerseits für seine nuklearen Ambitionen, andererseits für seine Ultrakonservative Regierung, die immer mal wieder ihre eigenen Bewohner unterdrückt. Das hält aber zahlreiche Regierungen in Europa und anderswo nicht davon ab, zahlreiche Wirtschaftsverträge abzuschliessen und sich, wie letzthin die Deutsche Regierung, über den erfreulichen Handel mit dem Iran zu freuen. So wie Sie hier:





Vielleicht sollten die alle mal den folgenden Artikel lesen und sich dann überlegen ob das wirklich so ein guter Handelspartner ist.

Hier gehts weiter zum Artikel

Mittwoch, 21. Juli 2010

Neues & Spannendes aus der Welt der Medizin

Dieses Kind sieht wirklich aus, als hätte es eben gerade einen Einlauf gekriegt:


Kwöll: fcz.ch

HM

Dienstag, 20. Juli 2010

12 Anzeichen dafür, dass man mitten in einem Fasttag gelandet ist

1. Gewisse Leute sind schon sehr in Tisha Be’Av Stimmung , im Fall.

2. Andere Leute bewegen Ihre Kinot-Kopien freihändig.

3. Man hat schon um 10:30 Morgens mehr hunger als man es je um diese Zeit hatte.

4. Im Büro werden Gespräche mit direktem Blickkontakt vermieden. Findet trotzdem eines statt, schaut man erstaunlich oft nicht in Richtung Gesprächspartner oder hat die Hand vor dem Mund. Oder antwortet nickend mit „Mmm Hmm“.

5. Als Erklärung, dass man keinen Mittag macht, muss „Habe viel zu tun“ herhalten, da es einfacher ist, als den wahren Grund zu erläutern.

6. Man verflucht heimlich alle Leute, die aus Rom kommen.

7. Man beginnt sich heimlich zu fragen, ob Kali-Zom den wirklich wirkt und man nimmt sich vor, es beim nächsten Mal zu probieren.

8. Man fragt sich, wie man das am Yom Kippur gleich nochmals hinkreigt. Und dann ohne Internet, Telefon oder Bett.

9. Wie verrückt ist man am kämpfen, sich nicht an den eigenen Mundgeruch zu gewöhnen („ist ja eigentlich gar nicht so schlimm“). Denn für andere wird er nicht immer erträglicher.

10. Spätestens um 12:30 kommt das erste Mal folgender Gedanke auf: „In Afrika müssen die das tagelang machen und ich halte bereits einen einzigen Tag nur knapp aus. Man bin ich ein Weichei.“

11. Die Augenlider bleiben beim blinzeln doppelt so lange unten wie sonst.

12. Man steht im Migros/Coop an der Kasse und merkt, dass man statt einem Pack Pasta und einer Dose Tomaten folgendes gekauft hat: Chips, Schoggi-Weggli, diese Nüsschen, die man schon lange probieren wollte, Tropicana (heute muss ich ihn mir einfach gönnen), Chips, Popcorn, Schoggi, 3 Sandwiches (kommen schon irgendwie weg) und 4 exotische Joghurts. Nur die Pasta und die Dose Tomaten hat man vergessen...

In diesem Sinne Zom-kal

Bau den Tempel Shilo

Bimhera beYameinu, inkl. Blitzkasten

Und dann gibt es noch Danny Raphael, einen bisher der CC-Red Action unbekannten Poeten, der uns seine eigene Einsichten und Perzeptionen eines Fasttages nahe bringt, der Jahrtausende von uns entfernt ist und dennoch Jahr für Jahr in unserem täglichen Leben und dem Kalender unserer Traditionen seinen festen Platz einnimmt.

"It's hard to know what you have until you lose it, but it's also hard to feel loss for something you never had." (Blogeinträge von Jpost.com zum 9. Aw)

Und damit die Tragik des Tages auch bei anderen Völkern Einhalt nehmen kann, zum Schluss noch dies: Hamas hat - im Lichte ihrer Bemühungen, der Bevölkerung einen islamischeren Lebensstil aufzuoktroyieren, den Frauen im Gazastreifen verboten, Wasserpfeife zu rauchen. Motorrad fahren ist ihnen schon lange verboten.
"Es ist für Frauen nicht angebracht, mit verschränkten Beinen in der Öffentlichkeit zu sitzen und zu rauchen", verlautete Ihab Ghussein, Sprecher des Hamas-Innenministeriums, am Sonntag. "Es ist bekannt, dass Männer sich bereits von ihren Frauen geschieden haben, weil diese öffentlich rauchten." So der Polizei-Pressesprecher Ayman Batneiji. (Kwöll und ganzer Artikel: AP via Brandon Sun)

Montag, 19. Juli 2010

Stop the Bomb

In Anbetracht des Morgigen Fastens ein kleines Video zur Einstimmung (wer noch zusätzliche Hilfe benötigt, C. G aus Z hilft gerne weiter)

Montag, 12. Juli 2010

Aus, aus, das Spiel ist aus!!!


Viel mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen, man gratuliert San Iker und der gesamten Furia Roja zum Titel.

I Will Survive (Auschwitz)

Zugegeben, die Art, Andenken zu spenden ist im Mindesten sehr originell. Einzelne möchten sogar Kritik daran anbringen, dass ein fröhlich anmutender Tanz mit Völkermord und Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Das ganze ist natürlich sehr amerikanisch abgefärbt. Der Überlebende in seiner Kommunikation mit den Jugendlichen ist dennoch rührend und scheint verstanden zu haben, dass zwei Generationen weiter unten in der Kette durch Einzelne das Bedürfnis bestehen mag, eine eigene Weise der psychologischen Verarbeitung bestehen mag. (Merkwürdigerweise habe ich gerade heute Morgen eine ähnliche Szene gehabt, als mir im Auto zu I'll Rise von Ben Harper ebenfalls die Assoziation zur Shoah unterlief. Sedö lüeg:

Alles aus einer Hand!

Rettung und Paparazzo - alles aus einer Hand. Wir sind jederzeit für Sie da. Rufen Sie uns an: 044 202 30 60!

(Geschehen: Heute an der Rämistrasse. Gesehen: Auf tagi.ch)

Freitag, 9. Juli 2010

Hinschied von Rav Yehuda Amital sZl




In der Nacht auf Freitag ist mit dem Hesder (Kombination von Thora-Studium und Armeeschulung)-Pionier Rav Yehuda Amital sZl eine grosse Figur der modernen jüdischen Orthodoxie und vor allem auch ein grossartiger Mensch hingeschieden. Nach einer langen Krankheit verstarb er an seinem Wohnort in Jerusalem. Rav Amital war ehemaliger und langjähriger Rosch Yeschiva der Hesder Yeschiva von Har Etzion in Alon Shvut (Gusch Etzion) im Südosten von Jerusalem und 1995 Knesset-Abgeordneter von Meimad.
Für einen ausführlicheren Lebenslauf wird auf den Jediot Achronot-Bericht (iwrit), nochmals auf Jediot Achronot (Ish haEmet), Haaretz (A rare breed, this "simple jew" und den Jerusalem Post-Artikel von heute Morgen verwiesen (Nachrufe von israelischen Würdenträgern in der JPost hier, Rav Chajim Druckman in Yediot Achronot).
Wir hoffen, die Familie Amital findet unter den Trauernden von Zion und Jerusalem Trost.

EDIT: Am Freitag Nachmittag nahmen Tausende Schüler und andere Trauernde in Jerusalem an der Beerdigung teil. Rav Aharon Lichtenstein, die andere grosse Figur, welche die Yeshivat Har Etzion während den letzten Jahrzehnten geprägt hat erklärte unter Tränen, Rav Amital habe sein Leben der Heiligung des Namen Gottes gewidmet, nachdem er selbst Opfer dessen Desakration durch die Schoa geworden war (Yediot Achronot-Bericht).

Online-Hesped von Rav Moshe Taragin

Gush-Twitter mit mehr Material

Erinnerungen eines ehemaligen Schülers (Alex Israel auf Thinking Israel)

Begegnungen mit Rav Amitals durch einen Schüler (Michael Eisenberg)

Yeshivat Har Etzion hat eine Sammlung von Materialien der Shiur-Serie von Rav Amital über jüdische Werte online gestellt. Auf der Edah.org-Homepage findet sich sodann auch folgender Artikel über Rav Amital's Werteordnung, welcher noch zu seinen Lebzeiten publiziert worden war.
Tausende säumen die Strasse vor dem Friedhof in Jerusalem

Donnerstag, 8. Juli 2010

Falls Ihr mal einen guten DJ braucht!

Ticketcorner

Anruf bei der Ticket Corner Deutschland-Hotline:

- Guten Tag, ich hätte gerne Karten für das Finalspiel mit Deutscher Beteiligung.

- Tut mir leid, Deutschland ist ausgeschieden.

- Ja aber das gibt's doch nicht, da muss es doch Karten geben?

- Das schon, aber Deutschland spielt halt nicht.

- Wieso nicht?

- Weil sie ausgeschieden sind.

- Ja aber es muss doch möglich sein, Karten für das Deutschland-Spiel zu bekommen?

- HERRGOTT NOCH MAL WIE OFT DENN NOCH: DEUTSCHLAND IST AUSGESCHIEDEN!!!!

- Schon gut, jetzt schreien Sie mich doch nicht so an... ich hörs halt so gerne!!! ...OK, dann geben Sie mir welche für Holland...

Mittwoch, 7. Juli 2010

Ohne Worte

Warum die Deutschen nicht in den WM-Final gehören


1. Weil sie nicht die selbst propagierte Multi-Kulti-Truppe sind. Der Umstand, dass ein Türke und drei Polacken in der erweiterten Startformation stehen, gereicht leider noch nicht zum Kulturprojekt.
2. Wir stehen über die Geschichte und verweigern uns nicht mehr deutschen Produkten. Wenn mir jemand einen BMW X1 überlässt, werde ich ihn wohl fahren und Siemens ist in der Küche als Apparatschaft nicht verpönt. Allein aus dieser Tatsache heraus kann ich aber trotzdem keine grossen Sympathien für dieses Team entwickeln.
3. Wenn deren ausländische Legionäre wie damals Ebi Smolarek als Tarnkappenbomber tituliert werden, wenn man immer noch vom Sturmführer Podolski spricht, im ZDF wieder versucht wird, einen Mannschaftserfolg mit einem Reichsparteitag feiern zu wollen, schauderts mich. Und hört bitte mit diesem Aushängeschild der sogenannten "deutschen Tugenden" auf!!!
4. Solange mir jemand mit zwei linken Beinen am Sonntag Morgen periodisch mit bayrischem Akzent die "Miiiiitparääääätzääääät" (auf Iwrit: Konter) ins Ohr brüllt, weckt das bei mir sehr deutliche antipathische Konnotationen.
5. Er spielt zwar nicht, aber die Hackfresse von Michael Ballack beim Freistoss zum 1:0 gegen Österreich an der EM 2008 werde ich wohl nicht so bald vergessen. Animiert zur überstürzten Flucht und der Einnahme eines Verstecks hinter dem nächsten Baum (siehe Video eingangs dieses Postings).
6. Der inzwischen weltweit bekannte Ausdruck "Vizekusen" und wiederum erst recht im Zusammenhang mit Ballack darf man von mir aus genauso gerne auf Deutschland ummünzen.
7. Mein letztes Public Viewing in Zürich war an der EM 2008 auf der Sächsilüüte-Wiese. Zur Hälfte (3:0 für die Gummihälse) war mein Bedarf an teutonisches Ohrengekreische bereits dermassen gedeckt, dass man sich getrost verziehen durfte. Deutschland ist somit direkt dafür verantwortlich zu machen, dass ich mir nie mehr ein Public Viewing mit deutscher Beteiligung in Zürich geben werde. Für den diesjährigen Halbfinal und - Gott bewahre - für den Final wird deshalb die heimische Lokation als Alternative bevorzugt. Ansonsten sei für ein Public Viewing ein Sicherheitsabstand mindestens 80 Kilometer hinter dem Röschtigraben wärmstens empfohlen.

WM Werbungen

Grosser Dank an unser afrikanisches Maskottchen für diese Bilder. Hier noch als Dia-Show:

"Wenn Sie eine koschere CD rausbringen, bin ich der erste, der sie essen wird!"

Verschiedentlich wurde hier bereits über Y-Love berichtet und seine Videos gepostet. Unter anderem hat er mit Dov Rosenblatt von der namhaften jüdischen New Yorker Band Blue Fringe eine gerappte Version von Eicha performt, mit DJ Diwon, Funkmusiker Erran Baron Cohen bei Talkmaster Conan O'Brian aufgetreten (dem Bruder von Borat und Leadsinger der Band Zohar, siehe das Video unten) sowie verschiedene Aufnahmen mit der computerisiert-verzerrten Stimme von DeScribe (siehe Link unten) gesungen, tritt im Video von Eprhyme auf sowie mit verschiedenen anderen Akteuren, die zumeist unter dem Label von Shemspeed erscheinen. Im Interview mit Leadel.net spricht er über seine Herkunft, Gemara-Rap-Lernmethodik und treyfene jüdische Musik. Ob man Hiphop mag oder nicht, Y-Love ist aus der jüdischen Kulturszene heute nicht mehr wegzudenken und erweitert das Spektrum jüdischer Musik um eine wichtige Komponente. Sedö lüeg zum Interview:

Und seine Botschaft anlässlich eines Neturei Karta-Protestes an der "Israel Day Parade" in New York:



Und weil's so schön ist, endlich über jüdischen Hiphop zu sprechen, gleich noch Shtar als weiterer neuer Stern am "Jiphop"-Himmel, der sich aus dem Matisyahu-ähnlichen Mainstream entfernt und jüdischen Inhalt in Sprechgesang vorträgt:


PS: Der Hiphop-Special auf dem hiesigen Medium wurde natürlich insbesondere für die Chumre-Fetischisten und Musikverweigerer während den drei Wochen aufgelegt. Man bemerke hierzu übrigens, dass die meisten jüdischen (Online-)Radios wie JewishBroadcast.com oder Yidlive sowie die Hintergrundberieselung im Books & Bagels dieser Tage nur Acapella-Sound wiedergeben, ein Umstand, der nach spätestens 613 Sekunden zum Wahnsein treiben kann. Also mit Vorsicht geniessen...

Zahal goes viral

Entweder hat Israel beschlossen, die Hasbara nun endlich ins 21. Jahrhundert zu bringen oder man hat eingesehen, dass die schiere Datenflut nunmehr nicht mehr zu kontrollieren ist. Heute ist jedes Handy eine Kamera, kann in einer vermeintlichen Cola-Dosa ein Filmsender versteckt sein, wieso also in gewissem Rahmen nicht den Gürtel etwas lockerer tragen. Das müssen sich zumindest auch die Autoren des unten zusammengeschnipselten Videos der israelischen Armee gedacht haben. Man sitzt stundenlang rum, nichts passiert, wieso also nicht etwas Spass in den Alltag bringen. Sedö lüeg also, yesh li Bikini, Chutini...!

Dienstag, 6. Juli 2010

Menschen.Tiere.Sensationen

Aus der Serie Reporter ohne Grenzen, hier mal ein Beispiel zweier Spanischer Fernsehmoderatoren beim 1 - 0 durch David Villa gegen Paraguay:



Wer als erster den Reportern mit den hellen Haaren erkennt und mir den Namen nennt, kriegt heute Abend ein Bier geschenkt.

Gastronomie an der Côte d'Azur: Restaurant Binoutche in Juan-les-Pins

Im Zuge der Bemühungen, der CC-Leserschaft in regelmässig-unregelmässigen Abständen die lohnenswertesten (und weniger) gastronomischen Stätten auf dem ehemals blauen Planeten näher zu bringen, wurde eine Gesandtschaft von Chassidus Chübelsack vergangene Woche auf Pirsch nach Südfrankreich geschickt. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man sich dabei überall wie im Paradies wähnt. In Cannes alleine gibt es zwei koschere Metzgereien mit einer breiten Auswahl an Aufschnitt, Würsten etc, neben der Frischfleischsektion mit Lamms-, Rinds- und Kalbskoteletten, Entrecôtes und anderen exquisiten Teilen wie frischer Leber, Herz und anderen Innereien, nach welchen das Herz gieren mag. Der Grill kam jedenfalls nicht zu kurz.Für den auswärts zu essen begehrende Kulinaristen ergeben sich mindestens genauso viele Optionen. Am Strand mal verkauft ein Kiosk koschere Sandwichs und Hot Dogs (Hechsher-Situation nicht abgeklärt), daneben bietet Cannes zwei koschere Restaurants (Tovel und Kitchen), welche aber diesmal keiner genaueren Prüfung unterzogen worden. Hingegen wurde im Binou'tché (oben anders geschrieben, weil damit im Internet bessere Trefferquoten erzielt werden) in Juan-les-Pins diniert. Das Restaurant wird von einem südamerikanischen Chassid (Chabad-affiliert) namens Binou, daher der Name des Lokals, geführt und hatte bis vor wenigen Monaten eine milchige Küche. Inzwischen ist an der Tür nebenan eine fleischige Stätte entstanden, welche es in sich hat. Die Ausstattung ist sehr gut und mondän gewählt, das Interieur ist mit verschiedenen Aufnahmen von New York - und einem unübersehbaren Konterfei von Rav Schneerson - dekoriert. Die Karte besteht aus zwei Seiten von verschiedenen Vorspeisen, (fleisch- und fischhaltigen) Salaten sowie einer Vielzahl von Hauptspeisen und Fischen. Zur Vorspeise wurde ein Salat mit Foie Gras und Feigenkompott getestet. Die dazugehörige Sauce war geschmacklich gut gewählt, nicht zu bitter und in einem passenden Volumen.
Zur Hauptspeise wurden das Entrecôte Rossini (d.h. mit Gänseleber-Zulage) und einer exquisiten Sauce sowie die Entenbrust an süsser Sojasauce und eingelegten Feigen getestet. Das Fleisch kam exakt in der gewünschten Garzeit und schmeckte vorzüglich frisch grilliert. Die Pommes Frites kamen als Beilage in einer Konsistenz, wie man sie in der Schweiz schon sehr, sehr lange in koscheren Restaurants nicht mehr geniessen konnte: Gross, gut gefärbt, nicht zu weich, gut gesalzen, was ein Genuss. Unnötig zu sagen, dass nach diesem kulinarischen Feuerwerk und einem übermässigen Völlegefühl die Auswahl eines Desserts ausblieb.

Entenbrust und Entrecôte Rossini

Fazit: Der Besuch ist für fleischophile Südfrankreich-Besucher mehr ein Muss als ein Soll. Juan-les-Pins ist auch für ein abendliches Flanieren entlang der Strandpromenade absolut zu empfehlen und in vielem deutlich freundlicher als die ungleich grösseren Cannes oder Nizza.

Binoutché-Chassidus Chübelsack-Spezialofferte: Besucht bei Eurem nächsten Côte d'Azur-Besuch das Binoutché in Juan-les-Pins, erwähnt, dass Ihr auf Empfehlung von Chassidus Chübelsack gekommen seid und kommt so in den Genuss einer 20%-Reduktion auf Eurer Konsumationsrechnung.

"Es gab viele deutsche Fahnen in Israel"


Im Sinne des letzten Postings könnte auch die Frage stattgegeben werden, für wen eigentlich die israelischen Fussballfans die Daumen drücken. Am Dreikontinenteneck könnte man meinen, afrikanische Mannschaften würden den Vorzug erhalten (u.a. wegen verschiedenen afrikanischen Spielern in der israelischen Liga), von welchen es aber ausser Ghana alle frühzeitig aus dem Geschehen geschleudert hat. Die US-Boys wären wohl ein Kandidat, insbesondere aufgrund der Vielzahl amerikanischer Zuwanderer. Letztere haben sich aber inzwischen ihre eigene Football-Liga organisiert und frönen lieber dem eierförmigen Flugobjekt aus Leder und Tacklings auf Schulterhöhe und viel technischem Verschleissmaterial. Der Iran entfällt auch, nachdem die Qualifikation schon scheiterte (und nur deshalb), über nordkoreanische Freundschaften weiss man leider zu wenig. Andere Mitglieder der Achse des Bösen sind ebenso nicht zu erheben.
Die Bild-Zeitung hat inzwischen ihre eigenen Erkenntnisse gezogen und publiziert, wonach eine Vielzahl von Israelis die Mannschaft der deutschen Tugenden ins Herz geschlossen wurde:
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich: "Es ist eine wunderbare Fan-Freundschaft, 65 Jahre nach dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte ..." (ganzer Artikel)
Hierzu der im Artikel zitierte Experte für deutsch-israelische Beziehungen Emanuel Cohn (welcher in den Erinnerungen der CC-Redaktion schon zu seinen schweizerischen Zeiten wichtige Fusstapfen im lokalen Fussballgeschehen hinterlassen hat. Unvergessen bleibt sein unermüdlicher Einsatz an den Grümpel- und Bne Akiwa-Fussballturnieren, welche er mitunter mit zerbrochenen Brillen entgelten musste):
„Die jungen Israelis sind sich bewusst, dass Deutschland heute einer der besten und engsten Freunde und Partner Israels ist, politisch, kulturell und ökonomisch. Außerdem spielen im deutschen Team Kinder aus Migranten-Familien. Diese kunterbunte Mannschaft steht für ein anderes, ein junges und offenes Deutschland, sie hat eine andere Leichtigkeit, als wenn alle nur Schmidt und Schulz hießen. Und sie spielt den schönsten Fußball.“

Dancing with the IDF und der israelische WM-Song

Das Risiko besteht latent, dass das Hani-scho-gseeeh-Gefühl schnell einschlagen wird, aber wenn sich schon einmal eine Gelegenheit für Zahal (i.e. IDF) für unfrewillige Propaganda ergibt, muss diese doch gehörig genutzt und viral verbreitet werden. Es handelt sich um eine Patrouille in Hebron, welche nun natürlich auch noch disziplinarische Sanktionen befürchten muss. In der Hoffnung, diese mögen nicht allzu drakonisch ausfallen; bei Schulstreichen erinnerte man sich danach jedoch unweigerlich auch an diese Folgen. Sedö lüeg:

Und weil's so schön ist, danken wir dem Ronaldo im gleichen Atemzug für den Hinweis auf den israelischen WM-Song. Hat ein paar Hiebe, welche deutlich unter der Gürtellinie landen und nicht angebracht sind, insbesondere gegenüber Schland (macht sie aber auch so nicht sympathischer) und Schina (dito), der Rest ist aber gute Unterhaltung auf sehr tiefem Niveau. Sedö lüeg: