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Sonntag, 27. Januar 2013

Trybol, Zottel und andere Alphatiere

Die kommende Abstimmung zur Initiative von Nationalrat Thomas Minder (Parteilos), die sogenannte Abzockerinitative, schlägt enorm hohe Wellen. Zurecht wie ich finde, denn diese Initiative, auch wenn vom Initiator anders beabsichtigt, könnte richtungsweisend sein für die weitere Politik der Schweiz. 
Die Initative hat mehr als nur gute Absichten und nach langen und beharrlichem Kampf muss man Herrn Minder zu gute Halten, dass er trotz massiven Gegenwind aller Parteien sich nie von seinem Weg und seiner Überzeugung hat abbringen lassen. Jedoch, diese Initative hat für mich den komplett falschen Ansatz. Denn Fragen wir uns mal ehrlich, wer wird den abgezockt? Die Mitarbeiter der Grossbanken? Die Aktionäre der der Grossbanken (bei der UBS sind das zur Zeit die norwegische Staatsbank, der Staat Singapur und ein paar Investmentfonds...)? Die Kunden der Grossbanken? Laut dem Initativtext sollen durch eine Stärkung des Aktionärsrecht "missbräuchlich überhöhte Lohnvergütungen verhindert werden". Nur, das widerspricht doch allen Realitäten bei den Aktionärsversammlungen. Solange der Shareholder Value stimmt wird es den Grossaktionären schnuppe sein ob die Bezüge der obersten Geschäftsführung ethisch vertretbar sind. Ich sehe nicht ein, wieso es zu so einem Thema einen Eingriff des Staates braucht. Ich muss nochmals fragen, wer wird den abgezockt, wo ist der Missbrauch bzw wer ist denn der Geschädigte? Für mich hat diese Initative einen ganz anderen Ursprung. Sie entstammt dem typisch schweizerischen Stammtischdenken, wo man über alles und jeden motzt, alles besser weiss, wenn nur mal endlich jemand was machen würde. Die SVP hat während knapp 20 Jahren so Politik betrieben. Dieser jemand, dass ist in diesem Fall Thomas Minder. Endlich mal einer der sich wehrt, der etwas gegen die oben in Bern macht. Dabei schiesst er komplett über das Ziel hinaus. Strafen soll es geben, Abgangsentschädigungen sollen verboten werden etc pp. Diese Intiative macht für mich mehr den Eindruck einer von Neid getriebenen Manie als von einer wohlüberlegten Idee. Und noch mehr, hat die Schweiz denn keine dringenderen Probleme, derer sich Herr Minder annehmen könnte? 
Nur als Beispiele: 

  • Steuerreform
  • Armeereform
  • Sicherung der AHV/IV
  • Krankenversicherungsreformen

Die Liste ist beliebig erweiterbar. Wobei natürlich auch gesagt sein soll das vieles in der Schweiz gut gelöst ist und keiner Reform oder Anpassung bedarf. Diese Initative ist ganz klar der falsche Ansatz. 

Mittwoch, 4. Januar 2012

Migros-Käse und mikrobielles Lab

Yves Bourgignon und die Chassidus Chübelsack-Aussendienststelle für Kulinarik und Rebellion haben durch Recherche in Erfahrung gebracht, dass die MIGROS in ihrem Käsesortiment nun ebenfalls Buch führt über die Käsesorten, welche ohne Lab aus Rindermägen hergestellt werden. In diesem Sinne erlauben wir uns, Teile der Kommunikation mit MIGROS an dieser Stelle zu replizieren:
Folgende Produkte der Migros wurden ohne tierisches Lab hergestellt:
Sämtliche Milchfrischprodukte unseres Eigenproduktionsbetriebes Estavayer Lait SA (ELSA) werden ohne tierisches Lab hergestellt. Beachten Sie das ELSA-Signet oder Betriebszulassungsnummer 2434 auf der Verpackung.
Sämtliche Quark-Produkte (Quark nature, Quark M-Budget, Bio Magerquark, Früchtequark, Léger-Quark, Quark-Crèmen) werden ohne tierisches Lab hergestellt. Die Quark-Desserts enthalten Gelatine.
Die in der Migros erhältlichen Mozzarella-Produkte aus Kuhmilch der Marken Alfredo, Santa Lucia (Galbani), Léger und M-Budget sowie der Migros Bio Mozzarella (2006.086) werden mit mikrobiellen Lab hergestellt. (Mozzarella di Bufala (2126.818) dagegen wird mit Kälbermagenlab hergestellt).
Auch Kiri, Babybel und alle Cantadous werden mit mikrobiellem Lab hergestellt.
Der Feta Mikos (2125.940) wird mit mikrobiellem Lab hergestellt.Für den Feta Xenia (2125.951) und den Xetabel (2125.760) wird dagegen Kälbermagenlab verwendet.
Hier ein paar weitere Beispiele von Produkten, welche ohne Kälbermagenlab hergestellt werden (Änderungen vorbehalten):
Artikelnummer
Produktname
2101.270.240.00
Léger Rustique
2101.277.240.00
M-Budget Schweizer Hartkäse
2104.051.060.00
Sennenmutschli 1/4 Laib
2104.070.240.00
Luzerner Rahmkäse
2104.070.242.00
AdR Luzerner Rahmkäse
2104.110.040.00
St. Paulin 1/2 Laib
2104.110.060.00
St. Paulin 1/4 Laib
2104.110.220.00
St. Paulin 150g
2104.113.040.00
SE St. Paulin 1/2
2104.118.240.00
Léger Minitaler
2104.143.040.00
Gomser Raclette 1/2 Laib
2104.279.240.00
Raccard Scheiben Moscato
2104.340.240.00
M-Budget Schweizer Halbhartkäse
2104.711.000.00
Reibkäse Pizzamischung
2104.789.240.00
Bio Familie-Chäs
2123.851.260.00
M-Budget Allgäuer
2124.052.260.00
M-Budget Gouda
2124.230.220.00
Fol Epi 150g
2125.173.220.00
Chamois d'Or 150g
2125.671.220.00
Le Vieux Pane
2125.673.220.00
Le Chaumes
2104.051.025.00
Sennenmutschli
2104.070.025.00
Luzerner Rahmtilsiter
2104.082.025.00
Léger Tilsiter
2104.143.025.00
Gomser Raclette
2104.160.025.00
AdR Walliser Bergkäse
2104.160.065.00
Gomserkäse
2104.164.025.00
AdR Dallenwilerkäse
2104.216.025.00
Spycherkäse
2104.249.025.00
AdR Lenker Bergtummeli
2104.360.025.00
Don Olivo
2104.505.025.00
AdR Lenker Kräuterkäse
2104.789.025.00
Bio Familie-Chäs
2105.053.025.00
Couronne
2105.166.025.00
Dallenwiler Geisskäse
2124.026.025.00
Stilton Vieux
2124.230.025.00
Fol Epi
2124.951.025.00
Englischer Cheddar
2125.107.025.00
St. André
2125.110.025.00
Peyrigoux
2125.173.025.00
Chamois d'Or
2125.211.025.00
Chavroux
2125.563.025.00
Brie Coeur de Lion
2125.609.025.00
Bresse Bleu
2125.673.025.00
Chaumes
2125.675.025.00
St. Albray
2125.740.025.00
Brebiou
2125.880.025.00
Cambozola
Frischkäse können in der Regel problemlos ohne tierisches Lab hergestellt werden. Für Weich-, Halbhart- und Hartkäse sind Labersatzstoffe aus qualitativen Gründen weniger geeignet.
Chassidus Chübelsack wird darüber hinaus demnächst eine Liste der Käsereien publizieren, welche Produkte mit künstlichem Labersatz herstellen. Auch in der Reihe "Demnächst" künden wir einen Exklusiv-Report über die Fondue mit mikrobiellem Lab der Schaukäserei Kloster Engelberg an.

Donnerstag, 18. August 2011

Liebe Doris

(Anm. des Verfassers: Auf vielfachen Wunsch erscheint der folgende Text doch noch, das Thema ist vielleicht ein bisschen überholt aber deswegen nicht minder brisant.)

Am besten lassen wir die Begrüssungsfloskeln und die Nettigkeiten gleich bleiben, denn ich bin verärgert. Ich kann die Entscheidung des Bundesrates aus der Nuklearenergie auszusteigen nicht nachvollziehen. Seit ihr euch eigentlich der Tragweite dieses Beschlusses bewusst? Innerhalb von 30 Jahren wird also die Stromproduktion in der Schweiz um einen Drittel zurückgefahren. Sehr weise, und wie genau wollt ihr die Lücke schliessen? Ahja genau, ihr wollt Gaskraftwerke bauen. Es ist inzwischen also nicht mehr so schlimm mehr CO2 in die Atmosphäre zu schiessen. Dabei habt ihr mir doch immer erzählt das sei so schlimm und ihr wollt alles dagegen tun? Neue Steuern habt ihr eingeführt und über allerlei Abgaben nachgedacht, damit die CO2 Emissionen sinken. Item, das ist jetzt nicht das Thema hier. Falls ihr wirklich glaubt die Leute werden mehr für den Strom bezahlen wollen weil jetzt plötzlich weniger vorhanden ist dann liegt ihr komplett daneben. Und falls ihr auch glaubt die erneuerbaren Energien sind bis 2050 soweit, das sie die Nuklearenergie ersetzen können dann liegt ihr auch daneben. Ich hoffe euch hat wirklich mal jemand gescheites, also so jemand mit Professortitel und allem drum und dran erklärt, das es sich nicht lohnt in der Schweiz Solaranlagen zu bauen weil die Sonneneinstrahlung nicht ausreicht.
Vielleicht kann ich dich liebe Doris, und deine Kollegen und Kolleginnen, dazu bewegen noch einmal darüber nachzudenken. Ist denn der Nuklearstrom wirklich so schlecht? Wieviele Unfälle mit Strahlungsaustritt gab es denn in der Schweiz seit wir die Reakoren betreiben? Wieso habe ich einfach das Gefühl das ihr die Stimmung ausnützen wolltet um diese Entscheidung zu treffen, es aber so schwammig formuliert habt das ihr in 5-10 Jahren einfach wieder davon zurückkommen könnt? Es hat einfach alles einen komischen Nachgeschmack.

Ich würde mir wünschen das ihr viel mehr Zeit und Energie aufwenden würdet die Leute davon zu Überzeugen das die Schweiz nicht darum herumkommt ein Endlager zu bauen und auch zu betreiben. Denn das ist das wirkliche Problem das wir im Moment haben. Hochradioaktiven Atommüll der in einer Lagerhalle in Würenlingen herumsteht und bei dem das Prinzip Hoffnung herrscht das irgendwann einmal eine Lösung dafür gefunden werden kann. Aber Mut zu zeigen, den Schritt nach vorne zu wagen und als erstes Europäisches Land eine wirkliche Lösung für das Atommüllproblem zu suchen, ist wohl zuviel verlangt für euch. Da ist es einfacher im Strom mitzuschwimmen und die Reaktoren einfach abzuschalten.

Freitag, 8. Juli 2011

Kosherlamp 2.0

Aus der Serie unnützer Gadgets, welche das Judentum in keiner Weise zu einer attraktiveren Lebensgemeinschaft machen (wer bräuchte das zwar schon...) gibt es Neuigkeiten. Unser Vespa-Korrespondent aus der Tel Aviver Innenstadt und anerkannter transnationaler Erbsenzähler hat uns freundlichst auf das nachstehende Produkt hingewiesen.

Nicht genug, dass man bisher schon das Koyschiklech erfinden musste, das sich insbesondere als Epiliergerät für die Arowes besonders gut eignet. Dazu irgendwelche unförmigen Granatenboxen, in welchen Ecken sich dann zufällig auch der Etrog verliert und sonstige absolut unnütze Gegenstände, auf welche die Menschheit nun 613'000 Jahre warten musste. Nein, jetzt haben wir auch noch einen Bazooka-Einfass für den Speerbusch erfunden. Ich hoffe, er wurde bereits patentiert und durch Immodrejl als globalem Vertriebsträger in die Palette aufgenommen. Ansonsten wüsste ich gar nicht, ob ich dieses Jahr Sukkaus feiern könnte. Wie auch.
Aber jetzt im Ernst, wieso nur meinst Du, wird dies kein kommerzieller Erfolg? Weil wir eine Nation von Plastiksackträgern sind und bleiben werden. Umhängetaschen sind am Jontef ohnehin Mukze, es sei denn, sie haben einen Hechscher als Briefbeschwerer (im Gegensatz zu gewissen Frauen, die müssen auch am Jontef eine Handtasche in die Synagoge schleppen, wo am Ende nur ein Paar Schminksocken und eine angerotzte Packung Nastücher Platz finden.
In diesem Sinne Gut Schabbes!

Dienstag, 21. Juni 2011

Die Schattengesellschaft kriegt ab

Der Tages-Anzeiger (direkter Link zum Artikel) hat grundsätzlich eine seltsame Politik der Freischaltung von Kommentaren. Grundsätzlich ist es ein Forum für Hinz und Kunz, worin gegebenenfalls jegliche Meinungsäusserungen zu (ausgewählter) alltäglicher Berichterstattung abgedruckt werden können. Interessanterweise gelangt immer dann geballte Feindlichkeit und vor allem ein unvergleichliches Volumen von Kommentaren auf die Webpage, wenn ein(er der wenigen) Artikel über Israel publiziert und zur Äusserung eingeladen wird. Inzwischen haben sich seit heute Morgen schon die erkleckliche Zahl von 106 Kommentaren zum Thema gefunden. Ein kleiner Vergleich auf der Tagi-Homepage bringt die merkwürdige Tatsache zum Vorschein, dass sich zu anderen Themen so gut wie keine Leute äussern bzw. die Themen nicht zur Kommentierung freigegeben werden (18 Kommentare zum Russland-Skandal der Axpo, 2 zum Hermaphroditen-Fall an der Frauen-WM, 14 zur Lehrstellen-Flaute in Zürich, 46 zur 613. Starbucks-Filiale in der Limmatstadt, 2 zur Decharge für Andy Rihs, 30 zum Jöh-Effekt der U-21). Vergleichsweise erregen nur noch die Umstrukturierung der Stromlandschaft in der Schweiz sowie die neulich erschienene OECD-Studie zur Lebensqualität eine vergleichbare Anzahl Gemüter, jedoch hinkt der Vergleich weil letztere Themen unser aller Alltag doch sehr direkt betreffen.
Auch zum Nahost-Konflikt haben Herr und Frau Hugentobler aber eine Meinung. In einer Vielzahl arabischer Ländern im Nahen Osten werden Zivilisten wahllos abgeschossen, weil sie sich ereifern, eine politische Meinung öffentlich kundzutun. Ghaddafi lässt Container voller Viagra importieren, damit seine zentralafrikanischen Söldner auch ja einen hochkriegen und so wahllos und systematisch vergewaltigen können. Aber dazu fällt am Stammtisch nur ein Spruch im Sinn von "isch au no krass, häsch au glese im 20 Minute?" und der Schnauz wird in die übernächste Stange getunkt. Wenn's um Israel geht, passiert alles etwas undifferenzierter und vielfach wird die Zivilbevölkerung für das Handeln ihrer Regierung verantwortlich gemacht.
Genanntes Medium, ein eigentlicher Kanal der Meinungsäusserungsfreiheit, ist inzwischen ein exemplarisches Konzentrat pauschalisierender Ignoranz geworden, indem wahllos Thesen in den Raum gestellt werden und mit stichhaltigen Aussagen wie "überleg doch mal, ist doch wirklich so" argumentiert wird. Exemplarisch sei an dieser Stelle ein Best Of der heutigen Diskussion aufgeführt:

- Argumente werden nicht besser, wenn sie ständig wiederholt werden.
Die Tausenden von Raketen haben bis jetzt nur wenigen Dutzend Israelis das Leben gekostet - sie sind primitive Spielzeugraketen. An die mehr als 1200 toten Palästinenser vom letzten Konflikt denken Sie aber nicht, oder?
Aber was schreibe ich da... unbequeme Tatsachen werden gerne ignoriert.
Inwiefern rechtfertigt dies antisemitische Pöbeleien gegen die jüdische Bevölkerung in Zürich?- In Israel zu leben ist schon lange nicht mehr ratsam. Das Land ist voller Fanatiker und wird rundherum von Fanatikern bedroht. Selbst als Israeli wäre ich längst ausgewandert, Heimat hin oder her.Mein Favorit. Kein Zusammenhang, kein Sinn, rein gar nichts. Bitte mehr oder viel weniger!- "Wer Israel kritisiert, ist gleich ein Antisemit."Schade, dass die Dame nicht auf diese Frage eingegangen ist.Dafür hat er aber eine passende Antwort kassiert, auf welche dann interessanterweise nichts mehr zurückgekommen ist. Aber der Spruch ist eben ein Phrasenschwein-Schlager, also her damit.- Ich verstehe nicht: warum bin ich ein Antisemit, wenn ich Israel kritisiere? Ich dachte immer, bei Antisemitismus ginge es um Judenhass, nicht um den Staat Israel. Dann bin ich nach dieser Logik also ein Moslemfreund, wenn ich in der Türkei Ferien mache? Wer so denkt, outet sich wirklich als rassistisch verblendet, einfach auf der anderen Seite. Aber die hat halt keine Lobby....- Israel ist ein Staat und keine Rasse. Wenn ich also die Politik Israels kritisiere, kann dies gar nicht unter Rassismus fallen. Ebensowenig bin ich nicht Anti-Muslim, nur weil ich Hamas kritisiere. Wenn die Leute mit der Gleichung 'Staat Israel' = 'Volk Israel' = 'Juden an sich' argumentieren, ist das alleine ihr Problem.Es wäre wirklich schön, wenn das alleine ihr Problem bliebe.- Warum soll uns dieser Krieg nicht beschäftigen? Er dauert ja schliesslich auch schon über 40 Jahre und hindert einen halben Kontinent in seiner Entwicklung...Ich komme auf mindestens drei Kontinente, aber ich gehe auch von der jüdischen Weltverschwörung aus.- Fakt ist auch, dass mich meine jüdischen Nachbarn, denen ich auf der Strasse fast täglich begegne, mich nicht einmal anschauen noch grüssen.In der Sache mag sie recht haben, daraus aber Schlüsse zu ziehen, ist falsch.- Wenn wir im Bus nicht mehr offen über politische Gegebenheiten diskutieren dürfen, (pro und con) dann haben wir das Ende unserer Demokratie vor der Tür- Der Anti Rassismus Maulkorb wird von den Juden in der Schweiz bewusst stilisiert.- Viele Schweizer sind rechts, aber noch lange nicht sind alle Rassisten. Es gibt einfach Leute, die sich gut integrieren und solche die sich abgrenzen. Wer sich abgrenzt (Kleidung, Sprache, Verhalten), wird halt auch schneller ausgegrenzt – so funktioniert das gemeine Volk.Ein Plädoyer für die Vielfalt in der Bevölkerung, Akzeptanz und Tolle Ranz. Weiter so!

Donnerstag, 2. Juni 2011

44 Gründe, das religiöse Judentum zu verlassen

Diese Zusammenfassung ist nicht verfügbar. Klicke hier, um den Post aufzurufen.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Fine by fragwürdig


Vor ein paar Wochen (gefühlte 15) und kurz nach Rosch HaShana besuchte man die Stätte mit den besten Hamburgern in dieser Stadt (und mit dem einzigen Imbiss-Schwarma, das mir jedoch noch niemand bestätigen konnte, effektiv probiert zu haben). Weil man sich dabei eh immer 5 Minuten die Füsse austreten darf, weil man immer den Moment erwischt, wo es am meisten Leute hat oder gerade heftige Diskussionen über die Wohnungsknappheit, die letzten kolportierten Schwangerschaften oder den Tikkun von Tiefencastel im Gang sind - aus all diesen Gründen eben steht man also rum und schaut sich ein wenig die Möblierung auf. Also fiel damals ins Auge, dass der Hechscher abgelaufen war (Gültigkeit bis Elul 5770). Na ja, kann ja passieren, wohl ist das im Trubel der Chagim-Vorbereitungen untergegangen, weiss der Moischi, warum.

Gestern jedenfalls reichte es nach Ewigkeiten wieder mal zu einem Hambuger. Schmackhaft wie immer, fantastisch. Alles fällt auf allen Seiten raus, weil man es wieder mal mit den Salaten übertrieben hat, aber etwas bleibt im Hals liegen. An der Wand gegenüber der Kasse hängt weiterhin die Koscher-Zertifizierung, die exakt selbe, die bereits vor Wochen da hing. Mit dem kleinen Detail, dass irgend so ein kopiertes Handschriftifikat mit Geschäftigkeiten bezüglich Mesonot und Motzi, Fruchtsäften und anderen Spässen darüber hängt: und es verdeckt genau eine Zeile des Hechschers, nämlich derjenige mit der Dauer des Hechschers, welcher nunmehr seit 5 Monaten abgelaufen ist.

Da werden gerüchteweise dem Lokal also Restriktionen bezüglich Musik, bezüglich der Vermeidung von Anzüglichkeiten und obszönen Gruppenpaarungen mittels einer sehr begrenzten Anzahl Tischen gemacht, aber dass ein Restaurant fünf Monate ohne gültigen Hechscher Gäste bewirtet, das stört offensichtlich niemanden. Ein kleines Stirnerunzeln ist angebracht.

(Die Fine by Fein-Wirte wurden durch den Schreibenden auf den Umstand nicht angesprochen. Wohl zu Unrecht.)

Freitag, 14. Januar 2011

007, Geier auf geheimer Mission

Ich messe der Meldung mal einen einigermassen hohen Wahrheitsgehalt zu, es handelt sich immerhin um BBC. Und nachdem die Israelis offensichtlich bereits im Roten Meer einen Killerhai gezüchtet haben, der nicht mal vor trunkfesten serbischen Acapulco-Springern Halt macht, macht die Story um den saudischen Geier-Spion sogar absolut Sinn. Zwingend.

In der saudischen Stadt Hyaal (Google Maps kennt diese aber nicht) wurde ein Geier mit dem GPS-Tracker der Tel Aviv-Universität aufgefunden, weshalb er gleich den Sicherheitskräften übergeben wurde. Der Tracker gibt über die Position, Fluggeschwindigkeit sowie entsprechend zurückgelegte Distanzen Aufschluss, sprich eignet er sich relativ schlecht zur Spionage.

Wie auch immer. Die Woche ist vorbei, man kann wieder schreiben, also tut man's auch. Und wenn solche belustigende Anekdoten aus dem Leben gelangweilter Sandstaubzähler mitten im saudiarabischen Nirgendwo sind.

Gute Besserung und Gut Shabbes!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Revue des Wochenendes

Chaschdänke. Känämä. Denjenigen, die gestern über halbgefrorenen Grachten unterwegs waren und immer wieder denselben Beat hörten, die wissen warum. Für alle andern:

Und ja! Lützel und Brno waren auch am Start!!!

Dienstag, 16. November 2010

Die wundersame Rückkehr des Jamaal Barrow


Eine Geschichte aus der New York Times, wie sie eigentlich nur für Chassidus Chübelsack geschrieben sein kann. Da kommt ein dahergelaufener Gangster-Rapper, der sich in einem New Yorker Club ein Feuergefecht mit Puff Daddy geliefert hat, feiert im Knast noch seine Rückkehr in die Zivilisation mit seiner neu-alten jüdischen Identität und schon hat man den nächsten, noch härteren Fall eines Matisyahus. Und wer ist bitte Shyne? Noch nie gehört? Ist definitiv Zeit, hier bitte mit einem Arte-würdigen kulturellen Beitrag:


Man lese bitte über seine wundersame Rückkehr zu seinen Wurzeln selbst. In der nächsten Woche finden Sie im Blog ihres Vertrauens: Der Credibility-ometer von musikalisch-jüdischen Rückkehrern, mit allen wichtigen Vertretern bis hin zu Börni. Zum NY Times-Artikel(Link in der NY Times):

JERUSALEM — The tall man in the velvet fedora and knee-length black jacket with ritual fringes peeking out takes long, swift strides toward the Western Wall. It’s late in the day, and he does not want to miss afternoon prayers at Judaism’s holiest site.

“We have to get there before the sun goes down,” he says, his stare fixed behind a pair of Ray-Ban sunglasses, the first clue that this is no ordinary Jerusalem man of God. It’s the rapper Shyne, the Sean Combs protégé who served almost nine years in New York prisons for opening fire in a nightclub in 1999 during an evening out with Mr. Combs and his girlfriend at the time, Jennifer Lopez.

“My entire life screams that I have a Jewish neshama,” he said, using the Hebrew word for soul.

Living as Moses Levi, an Orthodox Jew in Jerusalem (he legally changed his name from Jamaal Barrow), he shuttles between sessions of Talmud study with some of the most religiously stringent rabbis in the city and preparations for a musical comeback.

His transition from troubled adolescent in the Flatbush section of Brooklyn, shot at the age of 15, to celebrity gangster rapper turned prisoner turned frequenter of yeshivas, is the latest chapter in a bizarre journey that began with his birth in Belize 32 years ago. He is the son of a lawyer who is now that country’s prime minister and a mother who brought him to the United States and cleaned houses for a living.

“The science of Judaism” as Mr. Levi refers to it, has become his system for living, a lifeline that connects him to God and becoming a better human being. He sees no conflict fusing the hip-hop world with the life of a Torah-observant Jew.

Mr. Levi speaks in the style of the urban streets but combines his slang with Yiddish-accented Hebrew words and references to the “Chumash” (the bound version of the Torah, pronounced khoo-MASH) and “Halacha” (Jewish law, pronounced ha-la-KHAH).

As in: “There’s nothing in the Chumash that says I can’t drive a Lamborghini,” and “nothing in the Halacha about driving the cars I like, about the lifestyle I live.” As a teenager he started reading the Bible, relating to the stories of King David and Moses that he had first heard from his grandmother. At 13 (bar mitzvah age, he notes) he began to identify himself as “an Israelite,” a sensibility reinforced after finding out his great-grandmother was Ethiopian; he likes to wonder aloud whether she might have been Jewish.

He was already praying daily and engaged in his own study of Judaism at the time of his arrest but only became a practicing Jew, celebrating the holidays, keeping kosher and observing the Sabbath under the tutelage of prison rabbis. In Israel, he said, he had undergone a type of pro forma conversion known as “giyur lechumra” (pronounced ghee-YUR le-kchoom-RAH).

On the December night in 1999 that Mr. Levi walked into a Times Square nightclub, he was a 19-year-old enjoying the fruits of his first record deal and the hip-hop high life. The details of what happened inside remain muddled, but after an argument broke out between Mr. Combs, then known as Puff Daddy, and a group in the club, shots were fired, and three people were hurt.

Mr. Combs was charged with gun possession but later cleared in a highly publicized trial. Mr. Levi was sentenced to 10 years in prison for assault, gun possession and reckless endangerment. The police said he fired into the crowd. He maintains he shot in the air to break up the dispute. He would not say whether he took a fall for his former mentor.

“That’s the past, I got so much going on,” he said. “We move on.”

What Mr. Levi has moved on to since being released from prison last year is a life in which he is often up at daybreak, wrapping his arms with the leather straps of tefillin, the ritual boxes containing Torah verses worn by observant Jews for morning prayers. Throughout the day he studies with various strictly Orthodox rabbis.

“What are the laws?” he said, explaining his decision to adhere to the Orthodox level of observance. “I want to know the laws. I don’t want to know the leniencies. I never look for the leniencies because of all of the terrible things I’ve done in my life, all of the mistakes I’ve made.”


Montag, 11. Oktober 2010

Zeit, am Schicksal zu rütteln

"Packt Euer Schicksal mit beiden Händen. Rüttelt daran, als gebe es kein Morgen, bis obenaus die fruchtbare Hoffnung emporzischen wird!"
Mutmassliche Worte von Churban Matthias Brünzel vor der Schlacht zu Marignano

Verehrte Genossen, wir stehen wieder einmal an einer dieser Gelegenheiten, vor einem dieser Schicksalsspiele, welche wir uns jedes Mal herzusehnen haben, wenn die Schweizer Werkself nicht gerade in einer glücklichen und mythischen Sternstunde Spanien schlägt. Es ist wieder zu zeigen, dass wir vielleicht keine Denilsons, keine Rivaldos und auch keines Nestas in unseren Reihen zählen, dass auch in der Schweiz jedoch guter Fussball gelehrt wird, der nicht nur auf Betonmischerei beruht. Wir müssen zusammenstehen, füreinander weite Wege gehen und das Glück herausfordern, im Mittelfeld Risiken eingehen. Allzu oft sind wir in den letzten Spielen davon ausgegangen, dass ein Unentschieden gar nicht so ein schlechtes Resultat ist. Chile, Montenegro und wie sie alle heissen.
Und wie so oft können wir uns auch die Frage stellen, welche uns Schweizern so oft auf der Zunge liegt: Wie ist es möglich? Die sind doch dafür teuer bezahlt? Erstaunlich ist aber insbesondere der Umstand, dass wir eine Nationalmannschaft von Zwillingen hat. Derdiyok schiesst in 40 Bundesliga-Spielen eine zweistellige Anzahl Tore. Barnetta spielt in Leverkusen seit Jahren solide, Frei war im Ausland (und bei Basel) eine stets feste Grösse. Um Inler bemühen sich Liverpool und Inter. Ziegler wird mit Juventus in Verbindung gebracht. Von Bergen liegt mit Cesena auf einem guten Weg zur Behauptung in der Serie A. Alles talentierte Söldner, alles zufriedenstellende Klubspieler. Aber im Länderwettbewerb gurken sie alle. Ist der Druck grösser? Oder die Motivation kleiner? Die Perspektiven auf grosse Erfolge trotz der ständigen Siegeswelle der U21 zu klein? Ist das die Generation, von welcher im 2002 noch gesagt wurde, diese U21-Spieler würden mal ganz grosse? Und dann läuft die EM-Kampagne im 2010 und die Gefahr ist mehr als real, dass die Qualifikation bereits nach zwei Spielen zur unerreichbaren Illusion wird?
Es heisst auf jeden Fall wieder mal, aufwachen, es ist wieder EM-Zeit! Zusammenstehen, füreinander gehen, für die Mannschaft zu spielen! Die Jungs auf dem Fussballplatz, wir auf dem Platz des 16. Juni 2010, den wir noch so überbordend frohen Mutes dem Jubel und den Fans gewidmet hatten und den wir morgen wieder bis zum Bersten füllen werden. Um die Hoffnung aufrecht zu erhalten, für den Weltfrieden und natürlich auch für den dreifachen Flickflack.

Ich geh morgen übrigens wahrscheinlich "The American" schauen. Aber das hat ein überparteiliches Komitee unter Leitung der Berber-Rebellen in den Sand geschrieben.

Der Postscriptor meint, dass das Berbersche Revolutionskomitee angesichts der Brisanz der Ereignisse von heute Abend das akute Kluni-Ergötzungsbedürfnis zurückgestellt hat und sich heute Abend ebenfalls in die Landesfarben werfen und sich DJ des Nebelhorns profilieren wird.

Der Post-Postscriptor verweist im Sinne des Fehlens jeglichen Zusammenhangs und des Bedürfnisses, sich jeweils am Dienstag Morgen kulturell zu betätigen auf die Tagi-Splatterkinokritik von "Piranhas 3D" hin. Darin findet sich unter anderem auch die Aussage, Elisabeth Shue habe eine grossartige Zukunft hinter sich. Was eine Aussage, Respekt!

Montag, 4. Oktober 2010

Die offizielle "Zürich 2"-Suchmaschine

Man will es nicht verheimlichen. Man öffnet nach den Ferien inzwischen nicht mehr die Post zuerst, sondern durchforstet gleich einmal die letzten Zürich 2-Ausgaben nach womöglich verpassten Highlights. Selbiges wurde soeben gefunden. Insbesondere bemerkenswert am Online-Auftritt dieses Quartier-Käseblattes ist die Archiv-Funktion, bei welcher als Suchbegriff auch Autoren eingegeben werden können - wurde natürlich flugs verwendet und rein zufällig stiess man auf folgende Kuriosität. Zeit ist ja heute Geld und deshalb haben wir Euch gleich die lesenswertesten Passagen markiert. Sedö lüeg:

Little Züri 2: 23 rauchende Spitalangestellte

Letzten Sonntag war ich im Triemli-Spital einen Freund besuchen. Es herrschte Traumwetter! Draussen vor dem Eingang sassen die Besucher und die Kranken mit ihrem mobilen Infusionsständer. Sie tranken Kaffee und blinzelten in die Sonne. Eine lange Tischreihe war für die Raucher reserviert.

Beni Frenkel
Es hätte auch stehen dürfen: «Reserviert für unsere rauchenden Ärzte». Da ich sonst nichts zu tun hatte, begann ich zu zählen: 23 Spitalangestellte rauchten. Krass, dachte ich mir, da sitzen sie nun, unsere Halbgötter in Weiss und rauchen wie ein Schlot. Ausserdem trinken sie Kaffee, das ist auch nicht gesund, und sitzen sehr unbequem in ihren Stühlen. In zehn Minuten gehen sie wahrscheinlich wieder auf Patientenvisite und tun besorgniserregend: «Frau Gabler, ihre Lunge, sieht gar nicht gut aus!».
Wäre ich ein Arzt, ich würde meine Vorbildfunktion besser ausüben. Als Lehrer mache ich das heute schon. Wenn ich im Migros hinter einer alten, langsamen Frau stehe, zische ich sie nicht an: «Komm, mach schon, du Alte!» Ich gehe fast grundsätzlich nie bei Rot über die Strasse und beim Briefeschreiben am Computer benutze ich immer die automatische Grammatik-Kontrolle. Am Morgen putze ich mir immer die Zähne, und vor der Stunde trinke ich nie Kaffee (wegen Mundgeruch). Auf gute Kleidung lege ich grossen Wert. Die Finger- und Fussnägel schneide ich einmal pro Woche und benutze, falls nötig, die Nagelfeile. Ich darf festhalten: Ich bin ein sehr gutes Vorbild für unsere Kinder.
Doch im Triemli läuft vieles falsch. Sogar im Fahrstuhl. Auf einem Verbotsschild steht: «Rauchen verboten», aber darunter hat es gleich einen Behälter für die Zigarettenkippen. Und auf jedem Stock gibt es einen Balkon mit einer Raucherecke.
Ich verstehe das nicht. Warum können Ärzte nicht ein bisschen auf ihre Aussenwirkung achten? Das sollten sie eigentlich schon im ersten Semester gelernt haben, spätestens bei der ersten Stelle. Aber vielleicht werde ich alt. Korrektes Auftreten, Selbstbeherrschung und Berufswürde sind heutzutage Fremdwörter geworden. Wie schade!

Beni Frenkel ist Lehrer, wohnt in wollishofen und ist zweifacher Familienvater. Er schreibt regelmässig fürs «Zürich 2».

Mittwoch, 15. September 2010

Die "reaktionären" Juden von Zürich

Mit Publikation der Schweizer Nationalfonds-Studie hat Dario Venutti im Tages-Anzeiger vom Mittwoch einen Artikel (Artikel Tagi-Online) über die Schweizer Juden platziert. In diesem weist er einerseits auf die Nationalfonds-finanzierte Studie aus Basel bezüglich der Entwicklung des Schweizerischen Judentums hin ("Schweizer Judentum im Wandel" unter Projektleitung von Dr. Daniel Gerson und den Autoren Sabina Bossert, Madeleine Dreyfus, Leonardo Leupin, Valerie Rhein und Isabel Schlerkmann), deren Schlussbericht online ist (Schlussbericht online) und in den nächsten Wochen auch bei Chassidus Chübelsack noch zu diskutieren ist. Andererseits nutzt Venutti die Gelegenheit, um einen Überblick über das Zürcherische Judentum zu vermitteln (sich u.a. auf die obgenannte Studie stützend). Dabei fällt unter anderem die Aussage, dass bis zu einem Sechstel der lokalen jüdischen Bevölkerung reaktionär sei, weil sie nicht jeden modischen Müll wie das iPhone mitmache (und ja, ich bin überzeugter iPhone-Nicht-Nutzer). Die Problematik des iPhone bezieht sich natürlich nicht darauf, ob Gott das szenig genug und reaktionär findet, sondern der Grund für die Fragwürdigkeit liegt in den Möglichkeiten und der Versuchung des Internets mit all seinen - auch - zweifelhaften Inhalten. Es ist keine Frage, dass der (hier) Schreibende die Ansicht vertritt, dass der Gebrauch des Internets nicht in absoluter Weise zu kappen ist und - insbesondere um Bildungsdefizite für Kinder und Heranwachsende im Erwerbsmarkt zu verhindern - der (wenn nötig geschützte) Internetzugang wie zu allen andern Bildungsmedien zu gewährleisten ist.
So werde von diesem Teil der ansässigen Bevölkerung die gesamte moderne Welt als bedrohlich und dekadent abgelehnt. Was natürlich Schwachsinn und falsch ist. Viele sehr orthopraxe Juden sind gelernte Informatiker, arbeiten sehr wohl mit modernen Medien und bewegen sich durch den Alltag, als sei ihnen das Bluetooth-Teil im Ohr verwachsen. Und die politische Reaktion bedeutet, dass man den Fortschritt ablehnt und sich gegen den gesellschaftlichen Fortschritt und gegen die Prinzipien der Französischen Revolution (liberté, égalité, fraternité) richtet. Dies von ultraorthodoxen Menschen zu behaupten und im selben Atemzug zu dokumentieren, dass diese sich eigentlich gar nicht für eine breite Öffnung interessieren (also nicht dagegen kämpfen, sondern es ist ihnen einfach egal, weil sie unter sich zumeist die Lösung für die allermeisten gesellschaftlichen Fragen finden), ist widersprüchlich. Man mag dieses Desinteresse kritisieren und die Existenzberechtigung einer Parallelgesellschaft in Frage stellen, aber daraus gleich eine reaktionäre Gegenbewegung zu machen, ist falsch.
Auch würde wohl eine überwiegende Mehrheit der Juden der Aussage, dass die jüdische Frau dem Mann untergeordnet ist, vehement widersprechen (siehe auch die Erklärung von Venutti, dass die jüdische Religion lediglich über die Mutter übertragen werde). In gewissen Angelegenheiten würden sich die Frauen wohl mehr Gewicht beim Ausdruck ihrer Anliegen wünschen. Dennoch finden Frauen heute auch in nicht-liberalen Gemeinden Einsitz in wichtigen Gremien und Präsidien und leisten so einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Entwicklung dieser Glaubensgemeinschaften (dass dies in ultraorthodoxen Kreisen anders sein mag, ist jedoch kaum von der Hand zu weisen, aber es gibt eben nicht nur den einen Fünftel und den einen Sechstel, sondern die breite Mehrheit dazwischen ist ebenfalls zu berücksichtigen).
Dass die im 2004 kreierte Begegnungsplattform "Plattform der liberalen Juden in der Schweiz" bereits massgeblichen Anteil am Erfolg der liberalen Gemeinden trägt, kann ich nicht beurteilen, ist jedoch zumindest stark in Frage zu stellen, sofern es nicht mit Zahlen belegbar ist.
Nun, gewisse Aussagen von Venutti lassen sich hingegen kaum von der Hand zu weisen, auch wenn sie vielleicht nicht genügend präzise sind. Es finden sich im religiösen Sektor ebenfalls privatfinanzierte Schulen und es findet nicht lediglich die Vermittlung von Lehrinhalten durch Privatunterricht statt (richtig ist jedoch wohl die Aussage, dass sich mit diesen Schulabschlüssen nur erschwert ein Lebenserwerb finden lässt und somit die Gefahr der Unterstützungsbedürftigkeit durch Institutionen des Gemeinwohls besteht).
Venutti hat sich in der journalistischen Landschaft der Schweiz insbesondere dadurch einen Namen geschaffen, dass er die Organisation und Missstände in der weitgehend der Öffentlichkeit verschlossenen Hooliganszene durchleuchtet und so einer breiteren Bevölkerung zugänglich gemacht hat. An den Hohen Feiertagen begegnete ich vor der Synagoge den fragenden Blicken und Stimmen der Nachbarsbevölkerung, welche nicht verstand, weshalb an einem stinknormalen Donnerstag eine grössere Gruppe Menschen in derart festlicher Kleidung mitten im Vormittag aus einem einzelnen Lokal strömen mögen. Laubhüttenfest? Händer wieder esonen Fiirtig? Wir verstehen, dass das Unbekannte und Unverständliche zu Fragen animieren kann und diese beantwortet gehören, soweit dies auch nur möglich ist. Daraus aber gleich eine reaktionäre und rückständische Bewegung zu konzipieren, entbehrt jedoch jeglicher Grundlage und Glaubwürdigkeit.
Ein möglicherweise gesünderer Ansatz für die Koexistenz kommt von Phenomden, welcher in seiner Ode an Wiedikon zu diesem Thema lediglich die 4 Worte singt: "Villi Lüt sind jüdisch." Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Jeder zieht sein Ding durch und wo ein Austausch nicht zwingend gefragt ist, kann man ihn auch einfach sein lassen, ohne eine gesellschaftsfeindliche Tendenz daraus zu machen.

PS: Zum Bild im Artikel: Die Szene spielt offensichtlich an Purim, wie in der Legende auch dokumentiert. Vielleicht hätte man auch noch erklären können, was an Purim denn Brauch ist und dass diese Kinder verkleidet sind (unter uns gesagt ist dies aber auch nicht ganz so trivial zu erkennen, wenn die Satmarer sich als Gerer und umgekehrt verkleiden...)