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Freitag, 18. März 2011

Der erste israelische Single Malt ward erfunden

Zugegeben. Erstens trinkt nicht jeder gerne Whisky. Zweitens nicht gerne in gesunden Mengen. Und wenn jemand sich dann dazu bekennt, dann gibt es mannigfaltig Restriktionen bezüglich Vorlieben und Qualitätsbeschränkungen. Sogar unter den Single Malts sind lange nicht alle geniessbar. Vor allem diejenigen, welche ausserhalb Schottlands abgefüllt bzw. fabriziert werden, stossen oftmals auf rümpfende Nasen. Nicht jeder trinkt Yamakazi, ich persönlich finde den Säntis oder den Swissky sehr selten und erst geniessbar, wenn es auf den Geschmack nicht mehr gross ankommt. Das Post-Octomore-Syndrom halt...

Nun aber bzw. seit einigen Monaten dringt jedoch ein völlig neues Produkt auf den Markt, welches unser aller israelischer Fine Food-Geniesser Herzen höher schlagen lässt: Die Israeli Whisky Society hat Arran-Fässer importiert und an verschiedenen Orten Israels lagern lassen. Die ersten zwei bis drei Abfüllungen sind bereits ausverkauft und schon werden erste Notfallrationierungen auf dem Schwarzmarkt versteigert. Neben dem kulinarischen Wert kommt natürlich auch ein emotionaler hinzu. Wer möchte denn nicht an seinem Whisky- / Kiddushclub eine Flasche israelischen Single Malt präsentieren? Für alles weitere verweisen wir auf den offiziellen Text. Sedö lüeg:
At the end of 2008 the Israeli Whisky Society (IWS) bottled the first ever whisky cask to land in Israel. This is part of a unique and complex project pursued by IWS for a long time.
The aim of this project is to age quality whisky in Israel. To this end, we initially dispatched a few casks of young malt whisky to Israel. We then placed them in a number of prime sites to enable the whisky to breathe the holy air in various places in the country. All sites were hand picked, and all provide the whisky
suitable climatic conditions and local charm.
On December 22, 2008, IWS bottled 236 bottles that were filled from the first cask that landed in Israel. This cask was placed between the cool stone walls of the Scots hotel wine cellar in Tiberias, on the Sea of Galilee. This is a malt that was distilled in the Arran Distillery on the Isle of Arran in western Scotland and matured here in the Holy Land. This unique malt was bottled directly from the cask and was not diluted, coloured nor chill filtered. The product proves that the air and environment of the Holy Land gives the whisky a character and uniqueness that cannot be found anywhere else in the world.
The next cask that is scheduled for bottling is located in the wine cellar of the American Colony Hotel in Jerusalem. This is an exceptional site, which according to initial samples taken from the cask, grants the whisky a unique character.
Natürlich konnte ein solches Produkt nicht auf den Markt kommen, ohne bereits erste Chumres auf den Plan zu rufen. Deshalb sei auf eine Chametz-Besitzeswarnung des "Jerusalem Kosher News"-Blogs hingewiesen, welche letztes Jahr bereits erlassen wurde. Wohlbemerkt, es geht darum, dass es um Chametz geht, welcher im eigenen Eigentum bleibt und deshalb für den Genuss während des ganzen Jahres verboten bleibt:
Jerusalem Kosher News has learned that the “The Israeli Whiskey Society” single cask whiskey that is about to go on sale (“Jerusalem Cask”) or is already on sale (“Scots Hotel” Single Cask) is most probably chametz that remained in the possession of a Jew over Passover and therefore, may be forbidden forever.

There are those seeking to assist the local whiskey aficionado in clarifying this matter after learning that it remained in the possession of its Jewish owners over the holiday this past Pesach, as well as previous ones while it was aging. But, the JKN has learned that they have been unsuccessful, thus far, in their efforts to determine if there is a way to have the whiskey permitted b’dieved (post-facto). It should be noted that the chairman of the Israeli Whiskey Society has been honest, forthright, and fully cooperative in these efforts.

(...) To the best of my knowledge, all the locally-aged whiskey currently being bottled and sold by the IWS in Israel most probably falls under the category of chametz that remained in the possession of Jews on Passover and therefore it remains prohibited forever.

No further comment, Your Honor.

Freitag, 29. Oktober 2010

Trejfenes Handy - Schulausschluss



9 (neun!) Girlies aus dem BJJ-Sem(inar, Beis Jaakov Jerushalajim) sind aus der Schule geworfen worden, weil sie Handys besitzen, welche nicht als "koscher" (siehe erstes Bild) oder regelkonform zertifiziert wurden (Handys mit SMS-, GPS oder Internet-Zugang sind verboten, da sie direkten Zugang zum Purgatorium von unerlaubten Kontakten, Fussballresultaten und offensichtlich auch zum skandalösen Livestream von onlysimches.com verschaffen).
Ynet.co.il berichtet, dass anfangs des zwölften Schuljahrs ein Mädchen in der Klasse mit Handy in der Hand hochgehüpft ist und verkündet hat, dass sich ihre Freundin eben verlobt habe. Die Lehrerin bemerkte so, dass sie diese fröhliche Kunde per SMS in Erfahrung gebracht haben musste und rief unverzüglich nach dem Rektor. Dieser durchforstete in seinem investigativen Chapp gleich auch noch den SMS-Speicher und fand noch acht andere Ladies, die SMS empfangen oder versendet hatten. Resultat: alle neun wurden der Schule verwiesen.

Eine Schülerin sagte aus, es gebe Mädchen, welche sich ein solches koscheres Telefon zusätzlich erwerben würden, um es vorzuweisen, wenn sie erwischt würden (als ob das hilft...). Niemand wolle aus der Schule geworfen werden, wenn es nur noch 6 Monate gehe bis zum Beginn der Schidduch-Saison (ist ja wohl auch das einzige Problem).

Wir posten diese Geschichte aus verschiedenen Gründen. Erstens sind wir froh, dass in wenigen Stunden Shabbes ist und somit die Problematik der Verleitung durch SMS für wenigstens einige Stunden wegfällt. Zweitens möchten wir für Guysolino's Theorie des teuflischen Einflusses der USA auf unser tägliches Leben ein weiteres Beispiel bringen - dies unter der mutigen Annahme, dass Handys wohl in den USA erfunden wurden(, wobei mir in den nächsten 613 Sekunden sicher ein Partywisser einen Entgegnungslink präsentieren wird). Drittens und insbesondere widmen wir dieses Mail unserem theologisch verwirrten Kollegen Johan Vonlanthen. Über ihn berichtete heute Kollege Bernhard im Blick (Blick-Artikel), dass eher seltsame Forderungen des bekennenden Adventisten an seinen potentiellen Arbeitgeber Hapoel Tel Aviv gestellt wurden, welche angeblich eher wenig Anklang finden. Wir schlagen deshalb vor, Herr Johan solle doch einfach die Möglichkeit von Spielpraxis annehmen, spielen und sich wieder in den Dunstkreis von König Ottmar spielen. Erstens brauchen wir ihn da dringend, zweitens braucht er den Fussball (für alternative Karrieren ist es womöglich schon zu spät) und drittens kann er ja sein religiöses Gewissen beruhigen, indem er sich ein koscheres Handy und eine Hapoel-Kippa kauft.
Und zum Schluss noch dies:

Man wollte diesbezüglich kein eigenes Posting eröffnen, aber zur Koscherversorgung in der Stadt Zürich folgende Kurzszene heute Morgen in der neu eröffneten Bäckerei Lassova an der Waffenplatzstrasse. Die Szenerie sieht nach Work-in-progress aus. Die Decken sind wohl noch zu verputzen oder zu renovieren, die Gebäck-Möbel sehen aus, als seien sie aus Mahagoni, einige Backwaren sind effektiv neu und sehen lecker aus. Natürlich fehlen auf den Auswahlkarten die obligaten Schreibfehler nicht (weiss gleich keinen mehr, hat aber ein paar gute darunter). Nur das Personal (u.a. die obligat-schöne Schwiegermutter) ist noch dasselbe. Man kommt also am Freitag Morgen um 08:00 rein und will Challes.

CC: Haben Sie Challes?

L(assova): Ja.

CC: Kann ich welche haben?

L: Grosse gibt es keine mehr. Ich kann aber anrufen und sehen, ob noch welche kommen (AdR: Nochmals zur Erinnerung, es ist Freitag, 08:00 Uhr).

CC: Wieviel kosten sie denn?

L: Fr. 5.50 für die grosse (bei FbF sind sie auch nicht günstig, kosten aber Fr. 4.50 für die etwa gleiche Grösse).

CC: Okay, ich geh dann mal. Danke!

L: Kaufen Sie doch was anderes, wollen Sie nicht einen Kuchen?


Ich glaube, ein weiterer Kommentar erübrigt sich. Gut Shabbes.

Mittwoch, 15. September 2010

Die "reaktionären" Juden von Zürich

Mit Publikation der Schweizer Nationalfonds-Studie hat Dario Venutti im Tages-Anzeiger vom Mittwoch einen Artikel (Artikel Tagi-Online) über die Schweizer Juden platziert. In diesem weist er einerseits auf die Nationalfonds-finanzierte Studie aus Basel bezüglich der Entwicklung des Schweizerischen Judentums hin ("Schweizer Judentum im Wandel" unter Projektleitung von Dr. Daniel Gerson und den Autoren Sabina Bossert, Madeleine Dreyfus, Leonardo Leupin, Valerie Rhein und Isabel Schlerkmann), deren Schlussbericht online ist (Schlussbericht online) und in den nächsten Wochen auch bei Chassidus Chübelsack noch zu diskutieren ist. Andererseits nutzt Venutti die Gelegenheit, um einen Überblick über das Zürcherische Judentum zu vermitteln (sich u.a. auf die obgenannte Studie stützend). Dabei fällt unter anderem die Aussage, dass bis zu einem Sechstel der lokalen jüdischen Bevölkerung reaktionär sei, weil sie nicht jeden modischen Müll wie das iPhone mitmache (und ja, ich bin überzeugter iPhone-Nicht-Nutzer). Die Problematik des iPhone bezieht sich natürlich nicht darauf, ob Gott das szenig genug und reaktionär findet, sondern der Grund für die Fragwürdigkeit liegt in den Möglichkeiten und der Versuchung des Internets mit all seinen - auch - zweifelhaften Inhalten. Es ist keine Frage, dass der (hier) Schreibende die Ansicht vertritt, dass der Gebrauch des Internets nicht in absoluter Weise zu kappen ist und - insbesondere um Bildungsdefizite für Kinder und Heranwachsende im Erwerbsmarkt zu verhindern - der (wenn nötig geschützte) Internetzugang wie zu allen andern Bildungsmedien zu gewährleisten ist.
So werde von diesem Teil der ansässigen Bevölkerung die gesamte moderne Welt als bedrohlich und dekadent abgelehnt. Was natürlich Schwachsinn und falsch ist. Viele sehr orthopraxe Juden sind gelernte Informatiker, arbeiten sehr wohl mit modernen Medien und bewegen sich durch den Alltag, als sei ihnen das Bluetooth-Teil im Ohr verwachsen. Und die politische Reaktion bedeutet, dass man den Fortschritt ablehnt und sich gegen den gesellschaftlichen Fortschritt und gegen die Prinzipien der Französischen Revolution (liberté, égalité, fraternité) richtet. Dies von ultraorthodoxen Menschen zu behaupten und im selben Atemzug zu dokumentieren, dass diese sich eigentlich gar nicht für eine breite Öffnung interessieren (also nicht dagegen kämpfen, sondern es ist ihnen einfach egal, weil sie unter sich zumeist die Lösung für die allermeisten gesellschaftlichen Fragen finden), ist widersprüchlich. Man mag dieses Desinteresse kritisieren und die Existenzberechtigung einer Parallelgesellschaft in Frage stellen, aber daraus gleich eine reaktionäre Gegenbewegung zu machen, ist falsch.
Auch würde wohl eine überwiegende Mehrheit der Juden der Aussage, dass die jüdische Frau dem Mann untergeordnet ist, vehement widersprechen (siehe auch die Erklärung von Venutti, dass die jüdische Religion lediglich über die Mutter übertragen werde). In gewissen Angelegenheiten würden sich die Frauen wohl mehr Gewicht beim Ausdruck ihrer Anliegen wünschen. Dennoch finden Frauen heute auch in nicht-liberalen Gemeinden Einsitz in wichtigen Gremien und Präsidien und leisten so einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Entwicklung dieser Glaubensgemeinschaften (dass dies in ultraorthodoxen Kreisen anders sein mag, ist jedoch kaum von der Hand zu weisen, aber es gibt eben nicht nur den einen Fünftel und den einen Sechstel, sondern die breite Mehrheit dazwischen ist ebenfalls zu berücksichtigen).
Dass die im 2004 kreierte Begegnungsplattform "Plattform der liberalen Juden in der Schweiz" bereits massgeblichen Anteil am Erfolg der liberalen Gemeinden trägt, kann ich nicht beurteilen, ist jedoch zumindest stark in Frage zu stellen, sofern es nicht mit Zahlen belegbar ist.
Nun, gewisse Aussagen von Venutti lassen sich hingegen kaum von der Hand zu weisen, auch wenn sie vielleicht nicht genügend präzise sind. Es finden sich im religiösen Sektor ebenfalls privatfinanzierte Schulen und es findet nicht lediglich die Vermittlung von Lehrinhalten durch Privatunterricht statt (richtig ist jedoch wohl die Aussage, dass sich mit diesen Schulabschlüssen nur erschwert ein Lebenserwerb finden lässt und somit die Gefahr der Unterstützungsbedürftigkeit durch Institutionen des Gemeinwohls besteht).
Venutti hat sich in der journalistischen Landschaft der Schweiz insbesondere dadurch einen Namen geschaffen, dass er die Organisation und Missstände in der weitgehend der Öffentlichkeit verschlossenen Hooliganszene durchleuchtet und so einer breiteren Bevölkerung zugänglich gemacht hat. An den Hohen Feiertagen begegnete ich vor der Synagoge den fragenden Blicken und Stimmen der Nachbarsbevölkerung, welche nicht verstand, weshalb an einem stinknormalen Donnerstag eine grössere Gruppe Menschen in derart festlicher Kleidung mitten im Vormittag aus einem einzelnen Lokal strömen mögen. Laubhüttenfest? Händer wieder esonen Fiirtig? Wir verstehen, dass das Unbekannte und Unverständliche zu Fragen animieren kann und diese beantwortet gehören, soweit dies auch nur möglich ist. Daraus aber gleich eine reaktionäre und rückständische Bewegung zu konzipieren, entbehrt jedoch jeglicher Grundlage und Glaubwürdigkeit.
Ein möglicherweise gesünderer Ansatz für die Koexistenz kommt von Phenomden, welcher in seiner Ode an Wiedikon zu diesem Thema lediglich die 4 Worte singt: "Villi Lüt sind jüdisch." Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Jeder zieht sein Ding durch und wo ein Austausch nicht zwingend gefragt ist, kann man ihn auch einfach sein lassen, ohne eine gesellschaftsfeindliche Tendenz daraus zu machen.

PS: Zum Bild im Artikel: Die Szene spielt offensichtlich an Purim, wie in der Legende auch dokumentiert. Vielleicht hätte man auch noch erklären können, was an Purim denn Brauch ist und dass diese Kinder verkleidet sind (unter uns gesagt ist dies aber auch nicht ganz so trivial zu erkennen, wenn die Satmarer sich als Gerer und umgekehrt verkleiden...)

Freitag, 30. Juli 2010

Wollishofen und Brunau: Indy Minjanim als Exportprodukte


In den letzten Jahren wurde verschiedentlich propagiert, dass das Gemeindemodell des 20. Jahrhundert entweder ein Auslaufmodell sei oder durch verschiedene Neuerungen aufzuwerten sei. Seit den Achtzigern hat hierzu durch das Minjan Wollishofen, neuerdings durch das Minjan Brunau (je nach Sponsor auch Sridej Esh genannt) hierzu Vorarbeit geleistet und aufgezeigt, dass eine Gebetstätte nicht zwingend mit einer Gemeinde zu verbinden ist (wenn auch die Gemeinden in verschiedenen Kooperations- und Unterstützungsformen eingebunden werden). Zu erwähnen ist wohl auch dass sich die Zürcher Chassidus (allesamt Kopien und erbitterte Konkurrenten von Chassidus Chübelsack) sich seit Jahrzehnten schon unabhängig in verschiedenen Lokalitäten der Stadt Zürich einmietet. Derweil scheint das Rezept auch in den Vereinigten Staaten vermehrt Anklang zu finden, wie der folgende Artikel von Associated Press aufzeigt:
Rise of independent groups influencing Judaism

CAMBRIDGE, Mass. — They gather blocks from Harvard Square to greet the Sabbath with communal prayer, their eyes winced closed, hands clapping as they sing in fervent Hebrew. The group worships in the Jewish Orthodox tradition, but it's not traditional.

A woman leads the prayers, generally forbidden among mainstream Orthodox. The genders are separated by a white curtain, called a "mechitzah," but it's translucent so the sexes can see each other as they sway and sing. No rabbi leads or synagogue sanctions this service at the Minyan Tehillah, which is run by a software engineer and nurse practitioner.

The group is an "independent minyan," and dozens of these unaffiliated Jewish worship communities have sprung up in the past decade, mixing elements of the mainstream denominations while answering to none of them. Its prayers in Hebrew, with participation of everyone present, is a hallmark of the movement, and a reaction to mainstream alternatives where such prayer is not available, or limited to a designated soloist.

Anna Schachter of Cambridge said the minyan's dual commitment to traditional worship and egalitarianism was energizing.

"Everyone in this room, I feel I'm sort of bonded to them with this mission, this struggle, of 'How do you live a traditional life and a modern life at the same time?'" said Schachter, 29, a public health researcher. "If there was a synagogue that had this kind of style, I would go to it."

Ten years ago, the United States had two independent minyanim, plural of minyan. Today, there at least 70 involving about 20,000 people, said Rabbi Elie Kaunfer, who wrote a book on the independent minyanim, "Empowered Judaism."

"There is a mass of young people, taking hold of their Jewish identity, and willing to put in the volunteer time and effort to build a community that expresses their values," Kaunfer said. "That's extremely hopeful and significant."

The number involved is a small percentage of the estimated 5.2 million Jews in the U.S. But Jonathan Sarna, a professor of American Jewish history at Brandeis University, said the movement is driven by the most devout and educated Jews, and its ideas on worship, prayer and what defines a community will inevitably cross into mainstream practice.

"What happens in American Judaism over and over is that the margins influence the mainstream," Sarna said. "I don't expect many of the independent minyanim themselves will be long lasting. But I think we will look back and say that they had long-lasting influence."

In Jewish law, a minyan is a quorum of at least 10 people (10 men in the Orthodox tradition) that is required to read the Torah or say certain prayers. But a minyan is commonly defined as any community that comes together to pray.

The independent minyanim have formed primarily in urban areas, including New York, as far south as Atlanta, and west to San Francisco and Los Angeles. Sarna said with the middle of the country largely untapped, the movement will grow.

Meg Lederman, a member of a minyan in Brookline, said a major draw of the worship is as a link to her Jewish past.

"It's nice to be in a room where you're filling up the whole room with meaningful words," she said. "It's both the connection to the people in the room and really a connection to Jews across time and space."

The growth of independent minyanim is similar to the grassroots "havurah" movement in the 1960s and 1970s, which organized outside the synagogue with heavy emphasisis on lively prayer and including women. But Kaunfer said a key difference is that the havurah movement wanted to replace Jewish institutions, while independent minyanim aim merely at gaps that have appeared in Jewish life.

Many members are in their 20s and 30s, either single or with very young children, and part of a demographic that has developed as people postpone marriage and children, Kaunfer said. Jews in this group tend to be urban, mobile and unsatisfied by typical synagogue offerings, which are generally aimed at older adults or parents with school-aged kids, he said.

Group members are often highly educated in Jewish tradition — 40 percent are graduates of Jewish day schools. They seek the deep spiritual connection found in traditional prayer that the Orthodox practice, Kaunfer said, but they also want women to be more involved in worship, as in the Conservative and Reform denominations. So they've decided to lead their own services.

Some independent minyanim meet in synagogues, and members are active in them. But the decentralized movement has grown largely without the denominations, whose leaders say they welcome such committed groups of young people, an elusive demographic.

"These are exactly the kind of people we want and need in the community because they're going to be the leaders of the future," said Rabbi Eric Yoffie, president of the Union for Reform Judaism. "The fact that they don't always find a place in the synagogue is something that obviously is troubling to me."

Orthodox Rabbi Shmuel Goldin, first vice president of the Rabbinical Council of America, said he was "thrilled with the energy and the interest." But he added the groups' search for relevance in ancient tradition has led to violations of it, such as with women's role in prayer. Rabbis, he said, have always been crucial in maintaining tradition.

"We are troubled with the change in tradition," Goldin said. "We believe there are ways to find relevance and meaning without these radical changes."

Their self-governing nature means independent minyanim differ in style and emphasis. For instance, Lisa Colton, co-founder of a minyan in Charlottesville, Va., said her minyan's service, held in a friend's living room, stresses interaction between parents and young children that she wasn't finding at the local synagogue she attends.

Colton, 35, said the group isn't interested in changing tradition, just in sharing a kind of worship they realized they could create themselves.

"We don't feel like we're captive to the choices that are handed to us," she said. "That's very different than previous generations."

(This version CORRECTS Corrects spelling of 'Colton' in paragraphs 21-22.)


Zu denken, dass die Minjan-Variante eines Gottesdienstes gegenüber gestandenen Gemeinde-gebundenen Gotteshäusern nur Vorteile mit sich bringt, ist weit gefehlt. Auch in den eingangs genannten Minjanim streitet man sich um vermeintliche Lappalien und Formalitäten. Wer darf welchen Kaddisch laut sagen? Wer hat wann wie oft in den vergangenen 613 Monaten bereits einen Aufruf kassiert? Wie gross müssen beim Kiddush die Hering-Stücke sein? Wer darf zur Hagbe antreten, obschon er von der Wertungskommission wegen Dopings und fehlerhaften Haltung im ersten Durchgang disqualifiziert worden war? Darf der Whiskyclub auch in den neun Tagen stattfinden? Wie lange darf ein Dwar Torah sein? Wer darf dabei überziehen?
Nicht wenige Probleme dürften alsdann ihren Ursprung in der Einflussnahme durch Sponsoren und Verantwortungsträgern finden. Oder eine demografische Problematik fliesst ein:So würde das Minjan Wollishofen schon seit Jahren ein grösseres Lokal ertragen, jedoch dürfte es ein offenes Geheimnis sein, dass ein grösserer Betrieb erstens grössere Risiken künftiger Entwicklung mit sich bringen und zweitens grundsätzlich die Frage lauten dürfte, ob man mit einem grösseren Betrieb nicht einen (weiteren) strukturellen Vorteil gegenüber Gemeinde-Synagogen aufgeben würde, nämlich schlanke Strukturen, Froneinsatz und direktere Entscheidungswege.

Donnerstag, 18. März 2010

L.O.G.G. hat Alija gemacht

Ikea? Sind schon in Netanya angekommen. Die haben Gerüchten zufolge sogar schon ein Siddur rausgegeben mit Namen Gogi-gogi-Mössöff. Mc Donalds ist ein alter Käse-Mac und gibt's schon in den verschiedensten Koscher-Nicht-Koscher-Kombinationen. Und mit ihm eine Myriade von Marken, die die Welt erspuckt hat und nun in Israel, diesem Shopping Mall-freundlichsten aller freundlichen Länder ihr Glück versuchen. Letztes Beispiel, auf das angeblich ziemlich alle Israeler gewartet haben, ist nun H&M, offizieller Kleiderausrüster der Kochshow-Quizshow. Bei den Accessoires gibt es angeblich Peyes zum Ankleben und zniesdige Sonnenbrillen (solche, die nicht spiegeln)...

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Liebesgrüsse aus Moskau

Tajre Chassidim,

Ich habe dir grosse Ehre, mit diesem Eintrag meine Premiere bei euch, liebe CC‘s, zu feiern.
Den mir von Warzenschnuffel erteilte Kowed will ich ernst nehmen, doch muss ich bereits am Anfang vorausschicken, dass meine Schreibkünste nicht auf dem demjenigen Niveau einzelner Protagonisten dieses Forums liegen.

Ich berichte aus dem kalten Osten, eigentlich dem nahen fernen Osten aka Viennensis. Lange habe ich mir überlegt, was ich berichten kann. Das Beste ist wohl, wenn ich einige Eindrücke und Erlebnisse erzähle.


Haute-Cuisine

Tatsächlich, schwierig ist es ja nicht, eine bessere Koscher-Versorgung auf die Beine zu stellen als in Zürich. Und so hat man hier tatsächlich die Auswahl zwischen mehreren Gaststätten.
Hervorheben will ich die Pizzeria (oder wie man im Kreis 3 auch gerne sagt: Phhhhizeria), die ich neulich erst gerade wieder einmal besucht habe. Nebst dem, dass das Essen wunderbar ist, muss man sich nicht einmal entschuldigen, wenn man etwas bestellen will. Sogar Besteck lag von Anfang an schon auf dem Tisch und von schmutzigen, klebrigen und fiesen Geräuschen beim Gehen auf dem Parkett ist auch nichts zu hören. Einziger Wermutstropfen ist, dass man die Spezialitäten aus dem Hause „Jasmin“ vergebens auf der Karte sucht.
Äusserst nett ist auch die Variante, in der Metzgerei einen Imbiss zu nehmen, bei täglich abwechselnder Auswahl. Donnerstag ist beispielsweise Schwarma-Tag, getreu dem Motto: Hüt üsch Dönerstag.
Warum so was beispielsweise in Zürich nicht möglich ist, ist nur schwer verständlich. Ah nein, ganz vergessen, mir fallen hier ein paar sehr gute Gründe ein: Auf der Hand liegt natürlich das klassische Znies-Argument (habe übrigens schon oft auf Onlysimches bei einem frisch verlobten Pärchen gelesen, dass sie sich in der lokalen Metzgerei getroffen haben). Nicht zu vergessen ist auch das Argument, dass nicht im Stehen gegessen werden sollte. Unnötig zu erwähnen sind die gemeinen und altbekannten Milchteufelchen, die aus den kurz vor dem Metzgereibesuch gekauften Joghurts und Milch herausspringen und bekanntlich eine grosse Vorliebe für Schwarma haben. Liebe Chassidim, ihr seht also allerlei Gründe, eher misnagdisch zu sein!


Von Tschulentkigel und anderen Spezialitäten

Wie das so oft ist, merkt man erst wenn man es nicht mehr hat, wie gut es eigentlich ist. So geschehen mit der Schiel.
Nicht dass es unangenehm ist dort zu oren, oder dass die Leute unsympathisch wären, nein. Es ist vor allem das Gerede und die Länge der Tfila, wobei 2.5h (!) an einem furztrockenen Schabbes absolut Durchschnitt ist. Mein langjähriger Banknachbar und CC-Kollege Grasl kann bestätigen, wie ungemütlich ich werden kann, wenns zu lange geht.
All dies wird jedoch durch eine schöne Institution abgemildert. Nach dem Dawenen setzt man sich nochmals gemütlich hin und Tschulentkigel wird serviert. Dafür braucht es nicht einmal eine spezielle Simche oder ein anderes „25-Jahre Waschzeine Jubiläum“. Nein, dies ist einfach Standard! Zugegeben, wir können darüber diskutieren ob es aufgrund des vorherrschenden Vegetarismus dieses Tschulent als solcher bezeichnet werden kann und darf. Aber lassen wir das mal auf de Seite.
Da bekommt der Passuk „Ma tovu ohalecha Jaakov“ einen ganz neuen Pschat. Ob die Tora wohl schon damals damit gerechnet hat, dass später mal in den „ohaleche Jaakov“ Tschulent gespachtelt wird?


Loooschen

Zugegeben, unser Züridütsch Ole Ole ist ja auch nicht das Erhabenste. Aber was für Wörter hier teilweise gebraucht werde ist nicht von schlechten Eltern. Hier ein Emergency-Dictionary, falls ihr mal beim Skifahren in Smnaun nicht mehr rechtzeitig vor dem Eindunkeln auf die Schweizerseite zurückfindet:

schierch = hässlich
fesch = hübsch
Paradeiser = Tomaten
Fisolen = Bohnen
Karfiol = Blumekohl
Kukruz = Maiskolben
Stellage = Gestell
plakatieren = ein Plakat anbringen
(Achtung Regel: Man nehme einfach ein Nomen und mache ein Verb daraus)
Federpenal = Etui
Verlängerter = das was bei uns als normaler Cafe Crème durchgeht
Melange = das was bei uns, und übrigens auf der ganzen Welt, als Cappuccino durchgeht
Kleiner Brauner = Ja, ihr ahnt es ja, ein Espresso.
(Finde dieser Ausdruck hat einen eigenen Nobelpreis verdient)
Jause = Znüni oder Sandwich


Zum Glück waren bis anhin all meine Vorlesungen auf der Uni entweder von Deutschen abgehalten oder auf Englisch. Ich will mir nicht ausrechnen wie das sein wird, wenn plötzlich mal ein Dozent in einem breiten Dialekt zu reden beginnt… Oder stellt ihr euch doch mal einen Vortrag in breitem Walliser-Deutsch, Entschuldigung, ich meine Woischer-Titsch vor!


Es gäbe sicherlich noch einiges zu berichten, aber ich denke fürs erste REICHts mal.

In diesem Sinne,

Euer Stangenschuss