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Sonntag, 9. Mai 2010

Das leise Ende der Coop-Truthahn-Schnitzel aus Israel

Zuletzt Ende Oktober letzten Jahres wurde an dieser Stelle vom traurigen Verschwinden des Coop-Artikel-Schlagers Nummer Eins rapportiert und einer entsprechenden Stellungnahme des Coops. Nachdem das Mail immer noch in der Redaktions-Inbox rumlungerte und auf die Dauer keine weiteren Follow-Ups seitens Coop unternommen wurden, ist eine weitere Anfrage erfolgt, deren Rückmeldung durch den Kundendienst des Grossverteilers dem werten polnischen Fleischkonsumenten nicht vorenthalten bleiben soll:

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir nach wie vor kein koscheres Ersatzprodukt für die Trutenschnitzel in unserem Sortiment haben. Wir können Ihnen zu diesem Zeitpunkt leider nicht sagen, ob und wann eine entsprechende Alternative angeboten werden kann. Dürfen wir auf Ihr Verständnis hoffen?

Das Coop-Sortiment wird im Sinne einer steten Optimierung in regelmässigen Abständen genau unter die Lupe genommen wird. Die besagten Trutenschnitzel sind aus qualitativen Gründen aus dem Sortiment gestrichen worden.

Es tut uns Leid, Ihnen keinen anderen Bescheid geben zu können. Es würde uns freuen, Sie weiterhin bei uns begrüssen zu dürfen.

Man muss nicht viel von der Angelegenheit wissen, um zu verstehen, dass offensichtlich qualitativ relevante Mängel beim Produkt bestanden, welche Coop dazu veranlassten, die Einstellung des Vertriebs der berühmten Coop-Schnitzel zu verfügen. An sich und gemäss obiger Begründung ein legitimer Akt. Jedoch stellt sich nun a posteriori dennoch die Frage, was wir nun eigentlich während Jahren konsumiert haben. Verfütterte russische Antibiotika? Zermalmte chinesische Tigermembren? Shiraim von der Rebbezen? Und wieder steht der Konsument mit noch weiteren Fragen im Raum, auf welche er diesmal jedoch keine Antwort erwarten darf, ausser der Gewissheit, dass es wohl besser ist, den Menüplan inzwischen notgedrungenermassen angepasst zu haben. Und der Hoffnung, dass in fünf Jahren nicht einer auf die blöde Idee kommt, die Produktion von Zweifel Paprika-Chips mit derselben Begründung einzustellen. Lau oleinu.

Freitag, 4. Mai 2007

100 Tage Übel oder ein weiteres Kapitel Armut

In meiner Pflicht, Chassidus Chübelsack mit überlebensrelevanten Informationen zu füttern, welche das Gemüt vor allem im Hinblick auf ein langes Wochenende mit Informationen für den Chug Shabbeskafi zu sättigen vermögen, folgender Update:

In der sich langsam zuspitzenden Schlacht um die Unabhängigkeit der Koscherfleisch-Versorgung mit allen Mitteln und zu jedem Preis hat unser aller Held und Vorbild Pius Rosengarten (auch genannt Trevors der Unerschrockene) einen weiteren guarding stone gesetzt.

Wenn nämlich schon breite Teile der Bevölkerung den Laden nicht mehr betreten, ist es doch wenigstens opportun, die Glasfassade als Werbefläche für populistische Polithetze zu verwenden. Frei nach dem go down swinging-Prinzip hängen nämlich seit unlängst zwei Papiere auf der Türe des Ladens, welche einerseits auf neuerdings merklich kürzere Öffnungszeiten hinweisen. Zudem werden auf demselben Blatt auch die Stellungnahmen, Plädoyers und Beilagen zu den hängigen Prozessen (Trevors hat aufgrund zwingender Erfolgsaussichten gegen den Einzelrichter-Entscheid ein Rechtsmittel eingelegt) dem Publikum zur Einsicht offeriert. Offeriert wäre hier wohl der falsche Ausdruck: Obschon von "ohne Kaufzwang" die Rede ist, seien dem Dorfgebrabbel nach diese nur gegen Bezahlung erhältlich. Wie wir nämlich schon immer wussten: Die wirkliche Wahrheit hat ihren Preis (die Rede war gemäss unbestätigten Gerüchten von 50.-). Wie gesagt: One might just as well go down swinging...

Auf der unteren Seite dann anerbietet sich der Hausherr als Volkstribun, der in historisch absolut gerechtfertigten Allusion zur öffentlichen Anklage gegen das ICZ-Rabbinat ausholt. In fetten Lettern wird der berühmte Brief Emile Zolas "J'accuse" wiedergegeben mit den darunter folgenden Wahlkampfspruch (folgt nun etwa eine Ständeratkandidatur durch Pius? Man weiss es nicht...):

100 Tage Übel
mit Rabbi Ebel

Kommentare sind angesichts solcher hochstehender Wortspiele und einer solch tiefen taktischen Intelligenz im Laufe eines Verfahrens wohl unnötig. Es bleibt zu wünschen, dass dieses Trauerspiel und diese ätzende Selbstinszenierung eines selbsternannten Märtyrers bald ein definitives Ende findet.

Donnerstag, 12. April 2007

Trevors minus eins Leben

Der Polen bester Exporteur nach Robert Kubica hatte bekanntlich das Zürcher Bezirksgericht angerufen und Unterlassungsklage wegen der ICZ-Koscherwarnung eingereicht.
Anscheinend ist laut einem ICZ-Communique der Schuss wieder hinten raus:

In dem von der Trevors Food Ltd. gegen die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) angestrengten Gerichtsverfahren hat der zuständige Einzelrichter des Bezirksgerichts Zürich zugunsten der ICZ entschieden. Das Gesuch der Trevors Food Ltd., der ICZ zu verbieten, die in der Kaschrutmitteilung des Gemeinderabbinats vom 19. Januar 2007 enthaltene Aussage betreffend die schriftliche Mitteilung des Beit Din Johannesburg weiter aufrecht zu erhalten bzw. zu verbreiten oder ähnliche Behauptungen zu verbreiten, wurde abgewiesen. Die Gerichtskosten wurden der Trevors Food Ltd. auferlegt und sie wurde zudem verpflichtet, der ICZ eine Parteientschädigung von CHF 5'000.-- zu bezahlen. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die Trevors Food Ltd. kann dagegen innert 10 Tagen einen Rekurs einreichen.

Ist ja gleich, Hauptsache in der Sache wurde wieder ein wenig Geld zum Fenster rausgeschmissen. Bei der jetzigen Koscherversorgung in Zürich ist das ja wohl nichts als angebracht.

Gepflegt boxen

Heute im Tagi wähnt sich ein Artikel (hab den Original-Link nicht, Text ist hier aber lesbar) befindlich über die Subkultur der versteckten Prügler. Ist doch eine erfreulich, dass sich die damit identifizierenden Akteure von der rechtsextremen Szene und vor Randale verabschieden. Ganz nach dem Motto: Wir haben vielleicht hart einen an der Waffel, aber wenigstens sind wir nicht braun ("bei uns prügeln sich auch Türken und Albaner").
Man munkelt, der FC Hakoah habe unter sich einige solche Schizophrene unter sich, welche sich aber bedeutend weniger im Griff haben und so auch im halbzivilen Leben Gegner mit Gürtel-Unterkanten-Sprüchen bemätzeln (Nillenstein original mittwochs: Bisch e Susi!).
Vielleicht wäre auch das mal einen dokumentarischen Kameraschwenker wert. Judentum und Gewalt: Ich grätsche zu!
PS: Der Artikel lässt übrigens drei tränenreiche Schlüsse zu: 1) Basel entzweit die Schweiz . 2) Wenigstens in etwas sind die Bisler amtierender Schweizer Meister. 3) Die braunen Luzerner haben den Anschluss wieder hervorgeholt, momoll!)

Montag, 22. Januar 2007

Fool for a day, fool for a life

Wem sich heute die Gelegenheit bietet, der soll sich heute einen Tagi schnappen und einen Blick auf das Titelbild des zweiten Bundes werfen (nein, der Artikel und das Bild sind nicht online). Gewisse Fratzen sind prädestiniert, sich der Fachpresse fürs ganz grosse Kino zu präsentieren. Ich jedenfalls wäre stolz, unter diesem Titel in der Tagespresse erschienen zu sein.
Deshalb: Nomination zur Kopfnuss der Woche.

Und zum Schluss noch dies. Ich habe diesen Freitag Abend aus Faulheit und fortgeschrittener Stunde bei meinen Eltern übernachtet. Als ich am Morgen wiederum meine Schönheit in noch schönere Hüllen kleiden wollte, habe ich bemerkt, dass ich die Nacht romantischerweise mit meinem Schubbz-Gürtel verbracht hatte.

Was will uns diese bemerkenswerte Episode aus dem Schnuffelschen Alltag sagen?

a) Unpraktisch, aber umso wahrer: Der Schabbesgürtel hat eine mystische Bedeutung und soll über eine innige Verbindung zum Eybischten Tore zu glücklichen Träumen öffnen.
b) Der erotische Ansatz: Schnuff hat einen Hang zum Gürtelfetischisten und wollte noch in den Ausgang, machte aber rechtzeitig Tschuve.
c) Die pragmatische Lösung: Unbewusster Sinn der Aktion war, eine vorzeitige Geburt der Schabbesnachmittag-Leerete zu verhindern. Ein Gummiring für die Ewigkeit sozusagen.

Unter den Kommentaren werden drei Portionen Chabad-Tschulent vom vorletzten Wochenende (psychedelische Pilze liegen schon auf) verlost. Mit den zweiten Gewinnern wird kein Geschlechtsverkehr geführt.